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USA

Make America Great Again

Geht klar - wir machen das

Die Planung

Januar 2022, die Sache ist entschieden, es geht im September wieder einmal in die USA. Alle paar Jahre treibt es uns in den Westen der USA. "Uns", das sind...... meine beste Freundin Sabine und Ich!

Uns lockt immer wieder die wunderschöne Natur und die Vielfältigkeit des Landes. Da wir beide gerne etwas wandern, sind wir hier genau richtig. Ob Washington, Oregon, Idaho, Wyoming, Utha oder Arizona wir waren nie enttäuscht, ganz im Gegenteil immer total beeindruckt und begeistert.

Dieses Mal geht es vom Norden Kaliforniens nach Orgeno und nach Nevada bis zum Yosemite National Park in Kalifornien.

Nach Corona sind die Preise bei Flügen und Autovermietungen leider sehr gestiegen. Da muß man sich durcharbeiten und suchen suchen suchen. Allein bei der Autoanmietungen haben wir wohl an die dreimal storniert und neu gebucht. Das geht ja bei den Airlines nun leider nicht :). Irgendwann entschieden wir uns für die Premium Economy der Air France, die Preise waren damals noch erträglich. Berlin- Paris- San Francisco und das Auto ab San Francisco. Unterkünfte sind auch gebucht. Passt! Nun kann es losgehen.

2 Tage vor dem Abflug

 

Alles ist bereit zum Abflug, da bekomme ich eine E-Mail von Air France. Für 350 Euro, one way, können wir auf Business Class upgraden. Ganz aufgeregt rufe ich Sabine an: „Wollen wir das machen?“ Na klar wollen wir das machen – das ist doch auch mal ganz schön.

Anmerkung: Durch den gebuchten Premium-Economy-Flug dürfen wir beide jeweils zwei Gepäckstücke aufgeben. Da nehmen wir doch unsere bequemen Anglerstühle mit. Ein kleiner Luxus – egal, wo wir sind, können wir unterwegs überall gemütlich sitzen. Ihr werdet schon sehen …

28.08.2022 Tag 1 Es geht los

 

Vom BER ging es ohne Probleme nach Paris. Hier wird gerade gebaut, und da ich noch sehr viel Zeit habe, suche ich erst einmal die Business Lounge auf. Leider kommt Sabine aus Zürich erst später an, sodass wir uns erst am Gate treffen. In der Lounge bin ich etwas zappelig und gieße meinen ganzen Kaffee über den Tisch. Peinlich berührt versuche ich, das Unglück mit einer Serviette abzuwischen. Klappt natürlich nicht – inzwischen tropft schon alles auf den Teppich. Oh weh, hoffentlich schaut keiner. Hilfe bekomme ich schnell von einer Angestellten, und ich kann mich nun entspannen.

Zwei Stunden später treffe ich am Gate auf Sabine. Gott sei Dank, sie ist auch pünktlich angekommen.

Beim Boarding sind wir ausnahmsweise einmal die Ersten und können uns auf den bequemen Sitzen niederlassen. Kurz darauf erhalten wir auch schon ein Glas Sekt – nein, keinen O-Saft. Der elfstündige Flug vergeht wie im Flug, ja, das passt doch. Der Service und das Essen sind hervorragend. Im Liegen sehen wir Filme und dösen vor uns hin, wie an einem Regentag zu Hause auf dem Sofa.

Um 14:00 Uhr Ortszeit landen wir bei strahlendem Sonnenschein in San Francisco. Die Einreise gestaltet sich wie immer zeitaufwendig und langweilig. In einer schier nie endenden Schlange von Menschen geht es Schritt für Schritt zum Einreiseschalter. Die Begrüßung dort ist ja auch nicht immer herzlich.

Dann kommt die Autovermietung, auch immer mit viel Wartezeit verbunden. Es gibt dort auch regelmäßig Diskussionen über zusätzliche Versicherungen – da bin ich schnell genervt. Diesmal sind es jedoch nicht die Zusatzversicherungen, diesmal bekommen wir einfach eine kleinere Fahrzeugklasse als gebucht. Das erste Auto ist schmutzig und klein, also wieder zurück zum Schalter. Das zweite Auto ist sauber, aber – herrje, was ist das denn? Noch kleiner! Also wieder zum Schalter. Die Dame sah uns schon kommen und war inzwischen ziemlich angepisst, aber wir mittlerweile auch. Nach einigem Hin und Her – ganz ruhig bleiben – gab es nun endlich das korrekt gebuchte Auto: einen Toyota RAV4. Na geht doch.

Nun geht es aber los! Unser heutiges Ziel liegt nicht weit vom Flughafen entfernt, und dank Google Maps finden wir schnell den richtigen Weg. Da heute Sonntag ist, bleibt uns der Berufsverkehr erspart. Bei blauem Himmel überqueren wir die Golden Gate Bridge.

Unser Motel, die Marin Lodge, liegt im Vorort San Rafael, und wir finden es auf Anhieb. Die Zimmer sind ansprechend, sauber und es gibt zwei Betten – niemand muss den anderen in der Nacht quälen. Schnell geht es noch zum nächstgelegenen Supermarkt. Dort kaufen wir in der Deli-Abteilung gebratene Hähnchenschenkel und Salat – immer eine preiswerte Alternative zum teuren Restaurant.

UFF … Um 19:30 Uhr fallen wir todmüde ins Bett und schlafen tief und fest.

Tag 2 auf nach Ferndale Kalifornien

 

Was oder wer ist Ferndale??? Aha, es ist ein kleiner Ort im Norden Kaliforniens!

4:30 Uhr – einen wunderschönen guten Morgen!! Hallo Jetlag.

Eine Stunde später, noch im Morgengrauen, sind wir bereit zur Abfahrt.

Als Erstes geht es noch einmal zurück zur Golden Gate Bridge. Wir wollen uns den Sonnenaufgang ansehen.

 
 

Irgendwann, 100 Fotos später, wird es Zeit, unsere vor uns liegenden 455 Kilometer in Angriff zu nehmen. Wir entscheiden uns, zuerst auf der Küstenstraße, dem Highway 1, Richtung Norden zu fahren. Vorbei geht es auf einer kurvigen Straße am Meer entlang und durch kleine Ortschaften. Leider ist der Himmel recht trübe und alles erscheint etwas trostlos. Gerne würden wir einen Kaffee trinken, sehr gerne sogar, aber alles ist geschlossen oder es gibt einfach nichts. Irgendwo gab es dann doch etwas: In einem kleinen Ort ist ein Café geöffnet und für 5 Dollar gibt es einen eher wässrigen Kaffee. Passend dazu setzt jetzt auch noch Nieselregen ein und taucht alles in ein dunstiges Licht. So verlassen wir schließlich den Highway Nr. 1 und fahren auf die Autobahn 101. Hier geht es dann recht zügig voran.

Bei Cloverdale verlassen wir noch einmal die 101, um uns den Küstenort Mendocino anzusehen. Hat Michael Holm nicht ein Lied darüber geschrieben? Die Melodie habe ich noch im Kopf.

Ein netter kleiner Urlaubsort am Meer. Wir schlendern etwas über die Hauptstraße und durch charmante Läden, sind sprachlos über die hohen Preise und kaufen nichts. In einem Café sitzen wir bei einem Cappuccino am Fenster und schauen auf das graue Meer. Keine Sonne, alles recht öde.

Die letzten 200 Kilometer legen wir schnell auf der 101 zurück und erreichen dann endlich den kleinen Abzweig nach Ferndale. Über den Eel River führt uns die malerische Fernbridge, dann geht es vorbei an Feldern, Kühen und Molkereien. Unser Haus befindet sich am Anfang des Ortes und wir werden herzlich von der Besitzerin begrüßt. Nebenan befindet sich eine stillgelegte Fabrik, die jedoch nicht stört, da ein Zaun den Anblick verbirgt. Der Garten ist nett und innen ist alles entzückend im viktorianischen Stil eingerichtet.

 
 
 

Da wir vorher noch einen Supermarkt aufgesucht haben, sind wir fürs Erste versorgt.

Kaum haben wir das Essen heruntergeschluckt, sind wir auch schon wieder müde, und jeder von uns kuschelt sich in sein Bettchen und versinkt in seine Träume.

Aber nicht lange, denn wir werden unsanft aus dem Schlaf gerissen. Eine ohrenbetäubende Sirene lässt uns aus dem Bett springen. Was zur Hölle ist das denn? Es kommt nicht aus unserem Haus – das ist ja schon mal gut. Aber woher dann? Und wann hört es wieder auf? Kommt ein Tsunami, gibt es ein großes Feuer????

Plötzlich ist der Lärm vorbei und draußen ist es wieder ruhig. Tja, na dann gehen wir eben wieder schlafen.

Die Sirene begleitet uns zu jeder Tages- und Nachtzeit. So ganz haben wir das Rätsel nicht lösen können. Im Internet steht, dass es eine Tradition ist: Wenn die freiwillige Feuerwehr ausrückt, erklingt die Sirene. Naja, wer weiß.

 
 

Tag 3 im Land der Riesen auf der Avenue of Giants

 

Ah, ich werde wach und es riecht schon nach Kaffee – Sabine ist also schon um 5:00 Uhr morgens fit.

Ich drehe mich noch einmal von rechts nach links und dann raus aus dem Bett – der Tag ruft.

Wir sitzen noch entspannt beim Morgenkaffee, da geht es auch schon wieder los mit der Sirene. Es ist wirklich laut und ich glaube beinahe, dass sie neben uns in der alten Fabrik ihr Zuhause hat. Ein kleines Mysterium, das wir nicht lösen wollen – oder doch? Wollen wir mal rübergehen und nachschauen? Neeee, lieber nicht. Wer weiß, was dort noch so verborgen ist … Freddy Krueger vielleicht? Aber damit brauche ich Sabine nicht zu kommen.

Ich muss zugeben, dass ich meine Hausaufgaben schlecht gemacht habe. Nur darum sind wir am Morgen erst in die Stadt Eureka gefahren und erst am Nachmittag zu den Giants.

Eureka am Morgen ist genauso öde wie der Ku’damm in Berlin an einem frühen, verregneten Sonntag im November. Überhaupt nichts ist hier los, noch nicht einmal ein Starbucks. Wir schlendern zusammen mit einigen Obdachlosen durch Downtown und entdecken schöne alte Häuser aus der viktorianischen Zeit. Puhh, das war’s aber auch schon.

Um nett und positiv zu sein, sage ich einfach mal, dass es an einem warmen Sommerabend hier sicherlich sehr schön ist und nur so von Menschen wimmelt. Wahrscheinlich würden wir es dann sogar ganz toll finden.

 
 

 

Am Vormittag – immerhin schon Vormittag – sind wir in dem kleinen Ort Arcata, aber nur ganz kurz. Noch öder.

Unser kleiner Ort Ferndale dagegen ist ein ganz niedlicher Ort. Hier bummeln wir durch einige Geschäfte und dann … 30 Minuten später sind wir auch schon fertig mit unserer Runde.

Wir sehen uns an … und nu? Weiß nicht.

Das Wetter ist trübe mit vielen Wolken bei 19 Grad, ach mir ist langweilig.

„Na dann fahren wir heute schon zur Avenue of Giants.“ Ja, das ist ein guter Plan.

Die 35 Kilometer bis zum nördlichen Eingang sind schnell geschafft und je näher wir kommen, umso blauer wird der Himmel und wir sehen Sonne.

Die Avenue of Giants ist eine 30 Meilen lange Straße, die durch den Humboldt Redwoods State Park führt.

Schon bei der Einfahrt klappt uns vor Staunen der Mund auf – nicht nur, weil das Thermometer 28 Grad anzeigt, sondern wegen der unglaublich riesigen Bäume. Vom allerersten Moment an sind wir überwältigt von der Schönheit dieser Gegend. Ein dichter Wald mit gigantischen Bäumen säumt die Straße. Wir fühlen uns wie Rotkäppchen im Märchenwald, nur ohne Wolf und ohne gefülltes Esskörbchen.

Von den Parkplätzen aus führen kurze Rundgänge oder längere Wanderwege ab. An verschiedenen Stellen tauchen wir in die Welt der Bäume ein, wandern durch die zauberhafte Welt der Mammutbäume und fühlen uns ganz winzig.

Diese Küstenmammutbäume sind teilweise uralt und unglaublich hoch. Der Dyerville Giant ist leider 1991 umgestürzt. Mit seinen 110 Metern galt er als einer der höchsten Bäume der Welt. Er war etwa 454.000 Kilogramm schwer und ungefähr 1600 Jahre alt. Auf einem sehr schönen Rundweg kann man ihn heute noch bewundern – er wurde einfach an Ort und Stelle liegen gelassen.

Wir fahren noch etwas tiefer in den Park, halten an einem kleinen Fluss und holen unsere Anglerstühle aus dem Auto. Hier sitzen wir nun einsam, knabbern einen Keks, trinken lauwarmes Wasser und fühlen uns ein wenig beobachtet. Wir schauen rechts und links über die Schulter … keiner zu sehen.

Ich fange an zu erzählen: „Stell dir vor, es ist dunkel und da leuchten Augen aus dem Wald und plötzlich …“

„Nein Chris, jetzt nicht!“, unterbricht mich Sabine schnell.

Und ehe man sich versieht, sind die Stühle und wir wieder im Auto. Tssssss … was soll ich sagen.

 

 

 

 

Die Zeit verfliegt leider viel zu schnell. Langsam senkt sich die Sonne dem Horizont entgegen. Je näher wir Ferndale kommen, umso mehr verdichtet sich der Himmel mit dunklen Wolken – schon verrückt.

Beim Einfahren in den Ort begrüßt uns auch schon wieder die Sirene. Ebenfalls verrückt.

Während des Abendessens besprechen wir den morgigen Tag, unseren Ausflug in den 61 Meilen entfernten Redwood-Nationalpark. Dort wollen wir zum Fern Canyon. Diesen erreicht man auf zwei verschiedene Arten.

„Also Sabine, welche Option wählst du?
A) weitere zwei Stunden Fahrt über eine Schotterpiste oder
B) eine Wanderung von neun Kilometern one way – ein schöner Weg durch den Wald, ohne Steigungen.“

Da gibt es keine lange Überlegung – wir nehmen B!!

Gute Nacht.

 

Tag 4 Redwood National Park

 

Heute Nacht blieb die Sirene stumm und wir konnten in Ruhe von majestätischen Bäumen träumen.

Kleine Anmerkung: Im Internet hatten wir uns vorab über den Nationalpark belesen. Da stand doch tatsächlich, dass er auch bekannt ist für seine große Population an Elchen. Ach, Elche hier? Komisch, aber okay – nehmen wir mit. Haha, nein, natürlich keine Elche. Google hatte einfach die britische Übersetzung angewandt und aus dem Wort „Elk“ einen Elch gemacht, was im Britischen ja auch korrekt ist. Im Amerikanischen ist ein „Elk“ jedoch eine große Hirschart, nämlich der Wapiti-Hirsch, während ein Elch dort „Moose“ heißt. Wir waren aber schon vorher darauf gestoßen und deshalb nicht enttäuscht, als wir zahlreiche Roosevelt-Hirsche sahen.

Wir starten pünktlich in den Tag. Weil die Fahrt bei trübem Wetter und trostloser Landschaft so langweilig ist, sind wir bei der Ankunft schon wieder müde. Auf dem Weg zum Parkeingang begegnen uns bereits einige stattliche Roosevelt-Hirsche, die hier deutlich größer sind als ihre europäischen Verwandten.

IIIhhhh … es regnet.

Am noch geschlossenen Besucherzentrum vorbei geht es auf einen weichen Wanderweg hinein in die Welt der Bäume. Schnell verschluckt uns der dichte Wald und wir befinden uns im Reich von Kobolden und Feen. Der Pfad windet sich zwischen hohen Redwood-Bäumen, großen Farnen in sattem Grün, schmalen Bächen und kleinen Wasserfällen hindurch. Wir laufen über schmale Holzbrücken und schauen neugierig in mit Wurzeln verdeckte Höhlen. Die Luft ist erfüllt von einem betörenden Duft nach feuchtem Holz und frischem Moos.

 

 

 

 

Bei einer Pause sitzen wir auf einem Baumstamm und essen unsere Brote und ein Ei. Leider haben wir keinen Kaffee dabei. Da sitzen wir nun, ganz alleine, noch ist niemand unterwegs. Kein Geschnatter anderer Menschen. Nur die Geräusche des Waldes – eine gute Achtsamkeitsübung :)

Das Zwitschern der Vögel, das Zirpen der Insekten … hui, da fliegt eine Libelle dicht über meinen Kopf. Nicht in die Locken bitte! Kleine Käfer und Ameisen sind zügig unterwegs, alles ganz niedlich und friedlich.

Schließlich erreichen wir den Eingang des Fern Canyon. Dieser erstreckt sich über etwa 500 Meter, wobei der hintere Teil, an dem wir uns gerade befinden, schwerer zugänglich ist. Hier versperren umgefallene Bäume den Weg und man muss durch das flache Flusswasser laufen. Aber wir sind vorbereitet und haben unsere Trekkingsandalen dabei.

Schwupps, schnell die Schuhe gewechselt und schon geht es los. Wir klettern über umgefallene Bäume, manchmal ist es allerdings eher ein Rutschen – sieht nicht besonders elegant aus.

Der schmale Canyon ist an seinen Hängen dicht bewachsen. Hier wurden auch einige Szenen von „Jurassic Park“ gedreht – und ja, da vorne sehen wir schon die Velociraptoren auf uns zurennen.

 

Nachdem wir den Canyon im kalten, knöchelhohen Wasser durchquert haben, nähern wir uns dem Haupteingang. Hier gibt es einige Holzpontons, damit man keine nassen Füße bekommt – die wir allerdings längst schon haben.

Außerdem ist es hier jetzt ziemlich gut besucht … ja, weil der Parkplatz nur 200 Meter entfernt ist. Der Parkplatz, zu dem man von der Hauptstraße allerdings erst einmal zwei Stunden fährt … mhhh.

Wenn wir schon mal hier sind, können wir auch noch schnell zum Strand laufen. Schnell geht das allerdings nicht, denn der Strand ist noch etwa einen Kilometer entfernt.

Dieser erstreckt sich endlos bis zum Horizont, das Meer sieht man kaum. Auf einem Holzstamm lassen wir uns nieder und essen Frühstück Teil 2

Und dann … mit vollem Bauch treten wir den Rückweg an. Oh, Lust haben wir keine, aber auch keine andere Alternative. Nicht besonders motiviert, jetzt noch elf Kilometer zu laufen, schleppen wir uns die schier endlose Strecke zurück zum Auto. Irgendwie hat man immer das Gefühl, der Rückweg ist viel länger.

Dann ist es geschafft und jetzt erst einmal einen Kaffee … aber weit und breit kein Diner oder Café auf der Strecke. Mit „Strecke“ meine ich übrigens die Straße nach Ferndale und nicht die Waldstrecke.

Zu Hause begrüßt uns auch schon wieder die Sirene. Gut, dann haben wir es vielleicht für heute hinter uns. Aber ich frage mich schon: Wenn das wirklich der Alarmton ist, der anzeigt, dass die Feuerwehr ausrückt … was ist denn in diesem kleinen Ort ständig los?

Heute werden wir gut schlafen und von Feen und Elfen träumen – und vielleicht auch ein bisschen vom T-Rex.

 

 

 

Tag 5 Ein Tag am Fluß

Ein Tag am Fluß im Humboldt Sate Park. Ganz ohne Menschen, mit viel Sonne und einem Buch.

Tag 6 nach Florence in Oregon

 

Am frühen Morgen verlassen wir unser gemütliches Haus und den Ort mit dem skurrilen Sirenenalarm.

Vorbei an kleinen Küstenorten folgen wir der 101 in Richtung Norden bis zu dem kleinen Ort Florence in Oregon. Die 500 Kilometer ziehen sich zäh durch die regnerische Landschaft. Die raue Küste liegt teilweise in grauen Nebel gehüllt und das Meer wirkt dunkel und wild.

Heute ist also definitiv kein Badetag!!

Unterwegs gibt es ein Frühstück und viel Souvenir-Krims- Krams.

 
 

Am Nachmittag erreichen wir Florence. Wir besuchten diesen Ort bereits 2016 und weil es uns hier so gut gefallen hat, haben wir ihn noch einmal in unsere jetzige Reise eingeplant.

Unser gebuchtes Haus liegt auf einer Waldlichtung, aber nicht weit vom Zentrum entfernt. An diesem Wochenende ist Labor Day und der kleine Ort ist komplett ausgebucht und natürlich entsprechend teuer.

Das Haus wirkt von außen sehr nett, aber innen zeigt sich schnell, dass hier nicht mit allzu viel Liebe zum Detail geputzt wird. Tatsächlich ziehen wir unsere Betten komplett ab und gönnen der Bettwäsche erst einmal eine Runde in der Waschmaschine. In den USA sind die Maschinen erfreulich flott beim Waschen – nach 40 Minuten ist alles schon fertig.

Während die Wäsche im Trockner umherwirbelt, gehen wir einkaufen.

Am Abend sitzen wir auf der Terrasse und sehen sogar noch ein Reh vor dem Haus.

 
 

Tag 7 Ein Tag am Meer

 

Anmerkung zum Parken an den Stränden: Hier muss man eine Tagesgebühr bezahlen. Am besten kauft man sich eine Karte für 10 US-Dollar, die fünf Tage gültig ist. In Florence kann man diese im Sportgeschäft Sportsman erwerben.

Eine große Enttäuschung am Morgen – wieder keine Sonne. Nun ja, das Wetter ist eben, wie es ist, da müssen wir halt das Beste daraus machen.

Wir entschließen uns zu einem ausgedehnten Strandspaziergang und fahren zum South Jetty Beach. Das gesamte Gebiet ist eine herrliche Dünenlandschaft mit kleinen Seen. Die Zugänge zu den Stränden führen immer über den Aufstieg einer Düne. Je nach Abschnitt ist diese mal höher oder noch höher.

Als wir den Kamm erreichen, blicken wir auf eine scheinbar endlose Strandlandschaft. Und dann bricht plötzlich der Himmel auf und die Sonne kommt hervor. Das blaue Meer funkelt im Sonnenlicht, eine warme Brise weht um unsere Köpfe und ich denke: Oh, viel zu warm angezogen.

Von jetzt an wird uns die Sonne bis zum letzten Tag des Urlaubes begleiten und uns heiße Tage bescheren.

 

Schnell die Schuhe aus und den weichen Sand spüren. Die Zehen ins Meer getaucht – brrrr, schön kalt.

Nach einer Weile stoßen wir auf einen einsamen Seelöwen, der am Strand ein Sonnenbad nimmt. Mit großem Abstand setzen wir uns in den Sand und beobachten ihn eine ganze Weile. Mal dreht er den Kopf nach rechts, mal nach links – viel passiert nicht.

Ein Ranger kommt mit dem Jeep vorbei und steckt Markierungen in den Sand, damit ihm niemand zu nahe kommt und er nicht durch Menschen gestört wird.

 

Gegen Mittag wird es immer wärmer. Wir fahren zu unserem Haus zurück, packen unsere Badesachen und Bücher ein und machen uns anschließend auf den Weg zum Badestrand.

Der Heceta Head Beach / Cape Cove liegt größtenteils windgeschützt in einer von Felsen umrahmten Bucht. Hier ist schon ordentlich was los – morgen ist Labor Day und deshalb ist der Strand voller als gewöhnlich. Aber von Handtuch an Handtuch sind wir zum Glück weit entfernt.

Von unseren Anglerstühlen aus beobachten wir das Treiben am Strand und im Wasser.

„Sollen wir auch mal ins Wasser gehen?“, fragt Sabine mich.

„Aber ja, ich bin dabei … aber ab den Knien bin ich raus.“

Ohhhhh, das ist so kalt. Sabine ist tapfer und taucht sogar einmal unter, verzieht dabei allerdings auch ordentlich das Gesicht.

 

Am Nachmittag schlendern wir mit vielen anderen durch Florence. Die Hauptstraße ist mit wehenden Flaggen schön herausgeputzt.

Wir haben Mühe, einen Tisch für übermorgen zu reservieren, aber es gelingt uns, für 20:00 Uhr einen kleinen Tisch zu ergattern. Sieh mal an.

 

 

 

Und dann endlich – Sabine ist schon ganz aufgeregt – geht es in den besten Eisladen von Florence. Ich glaube, es gibt ja nur diesen, dann halt von ganz Oregon. Sabine schwört auf diesen Eisladen.

 

Tag 8 der Hobbit Trail und mehr vom Meer

 

Mit einer kleinen, erfreulichen Wanderung starten wir in den sonnigen Tag. In der Nähe des Heceta Lighthouse führt von der Küstenstraße aus der kurze Hobbit-Wandertrail hinunter ans Meer.

Vorbei an dichten Büschen, dunklen kleinen Höhlen und flach vom Wind geformten Bäumen schlängelt sich der schmale Pfad zur Küste hinunter. Wenn man ganz leise ist und die Ohren spitzt, scheint es fast, als würden hunderte kleine Füße durch das Unterholz laufen. Dabei ist es nur der zarte Windhauch, der durch die Blätter weht.

Aber wer weiß schon, wer uns gerade aus den dunklen Höhlen mit den Augen verfolgt.

Unten angekommen offenbart sich ein spektakulärer Blick auf einen perfekten Strand. Wow!

 

Der zweite Teil unserer Wanderung führt uns nun zum Heceta-Leuchtturm, und leider geht es steil bergauf. Puh, wenn nicht die Aussicht so wunderschön wäre, hätte ich schon längst keine Lust mehr.

Am Leuchtturm angekommen haben wir zwar einen schönen Blick, aber kein Ausflugslokal :). Wie schade.


 

Zur Mittagszeit geht es in den kleinen Ort Yachats. Normalerweise ein ruhiger, verschlafener Ort an der Küste mit guten Fischrestaurants. Heute, einen Tag vor Labor Day, ist es mega voll – aber wir haben Glück und ergattern einen sonnigen Platz in einem netten Lokal.

Ein leckeres Fischbrötchen – nee, kein Hering. Es ist zwar nicht ganz preiswert, aber sehr lecker. Wir schwelgen in Erinnerungen: Es ist hier noch so schön wie vor sechs Jahren, wenn auch alles teurer geworden ist.

Müde und satt setzen wir uns mit unseren Stühlen an einen schönen Strand und lassen uns von der Sonne wärmen. Ach, herrlich ist es hier: Hügel mit dichtem Baumbewuchs reichen bis an die traumhaften Strände und das blaue, aber kalte Meer.

 

 

Am Abend sitzen wir in Florence in einem gemütlichen Restaurant und blicken bei gutem Essen und einem Bier auf das Wasser und den Sonnenuntergang.

Tag 9 viel Wind am Labor Day

 

Der Jessie M. Honeyman Memorial State Park besteht aus kleinen Seen und gaaaanz vielen Dünen.

Im Cleawox Lake kann man baden, Kajak oder Tretboot fahren und durch die Dünen wandern. Ja, Dünen wandern – das klingt genau nach unserem Ding. Dieses „unser Ding“ hält allerdings nicht lange an: schnell wird es sehr warm und wir sehr lustlos.

Es ist 9:00 Uhr und schon 25 Grad warm, und das sandige Auf und Ab ist … sehr anstrengend. Dann schon lieber baden.

Das Wasser des Cleawox Lake ist glasklar und angenehm warm.

 

Etwas später überlegen wir nochmals, zur langen Jelly Beach zu fahren – und schon sind wir unterwegs. Dort angekommen merken wir sofort: Diese Idee war nichts. Schon beim Aufstieg der Düne ist es ordentlich windig. Oben angekommen, du meine Güte, weht uns eine sehr steife Brise aus Sand um den Kopf. Das Meer ist aufgepeitscht, und die Schaumkronen sind wild und spritzen die Gischt zwei Meter hoch. Oh oh – heute kein Strandtag!

Na gut, dann geht es eben nach Florence auf einen Kaffee oder ganz bestimmt auf ein Eis. Uiiih, das ist ja schön voll hier – eine Party in der Stadt, ganz im Zeichen von Labor Day. Darauf haben wir aber schon gar keine Lust mehr, und für ein Eis müssen wir sogar lange anstehen. Also zurück zum Lake Cleawox und rein ins Wasser. Hier ist es inzwischen auch voller geworden, aber immer noch sehr idyllisch.

Am Abend ist Florence wie ausgestorben – alle sind wieder nach Hause gefahren.

Leider müssen wir uns noch mit einem ärgerlichen Thema auseinandersetzen: Unser Auto zeigt Ölverlust an. Bei einer Prüfung können wir jedoch nichts feststellen. Wir beschließen, da nicht lange herumzubasteln. Morgen auf der Weiterfahrt halten wir am Flughafen von Eugene und gehen dort zu unserem Autovermieter.

Tag 10 Ein langer Tag bis zur Old Yella Dog Ranch, Nevada

 

Uff, what a day!

In der Frühe geht es als Erstes zu Avis in Eugene. Das ist schneller Service: rein, Problem erklärt, keine weitere Diskussion, neues Auto erhalten, wieder on the road. Perfekt!

Nun liegen noch 480 Kilometer vor uns – eine Strecke quer durch Oregon bis ins nordöstliche Kalifornien und dann noch wenige Kilometer weiter nach Nevada. Unsere Route führt uns am Crater Lake vorbei. Dort waren wir schon vor sechs Jahren, und wir entscheiden uns für den kleinen Umweg auf unserem Nostalgie-Trip.

Wir fahren auf dem wenig befahrenen Highway 58, vorbei an Wäldern und Seen, kein Auto weit und breit. Die Countrymusik trällert aus dem Autoradio und wir singen kräftig mit. Plötzlich dringt ein starker Rauchgeruch ins Auto ein. Ein Moment des Schreckens … ist das unser Auto? Oh Gott sei Dank, das ist es nicht. Erst einmal sind wir beruhigt – bis wir darüber nachdenken, woher der Rauch kommen mag.

Ja klar: Waldbrand … aber wo? Wie weit? Gibt es Straßensperrungen? Haben wir eine übersehen? Warum gibt es hier keine anderen Autos? Oh … was nun?

Der Rauch wird unangenehmer, wir schalten die Lüftung aus und lassen die Fenster geschlossen. So, jetzt schnell mal bei Google schauen. Ja, es gibt einen Waldbrand, aber der ist viele Kilometer entfernt. Ach so – erstaunlich, wie weit der Wind den Rauch treibt. Und schau, da vorne fahren auch andere Autos. Also ist alles gut, und die Fahrt geht weiter mit Countrymusik.

Am späten Vormittag erreichen wir das Diamond Lake Junction Café, ein Roadhouse an der Kreuzung des Highway 138 und 97. Als wäre es erst letzte Woche gewesen, sitzen wir wieder vor dem leckeren Mary’s Berry Pie – genau wie vor sechs Jahren. Wie schön ist das denn, und so lecker mit Sahne und Eis.

 

 

 

Gut genährt geht es jetzt zum Crater Lake – zwar ein recht großer Umweg, aber ja, wir machen das.

Der Eintritt beträgt dieses Mal stolze 30 US-Dollar pro Person. Nicht schlecht.

Leider haben wir nur zwei Stunden Zeit – viel zu wenig für diesen zauberhaften Ort. Damals sind wir hier auch gewandert, heute erlauben wir uns nur eine Krater-Rundfahrt. Von jedem Parkplatz aus hat man einen traumhaften Blick auf den tiefblauen See, der bis zu 350 Meter tief ist.

 

Auf der Route 62 geht es dann weiter Richtung Nevada, noch 340 Kilometer. Die Strecke ist größtenteils vom Landwirtschaft geprägt und recht langweilig. Gegen 17:00 erreichen wir den Ort Cedaville, ein hübscher Ort noch in Kalifornien und kurz vor Nevada. Jetzt noch schnell einkaufen, denn unser Haus liegt in mitten vom Nirgendwo.

Nach 35 Kilometer ist es geschaft, da ist es nun unsere kleine Farm mitten in der Wüste liegt die Old Yella Dog Ranch ......und das ist es.....ist es nicht toll?

 

 

 

 

Nichts außer Pferden, Rindern und Klapperschlangen – und wir sind dabei. Für die nächsten vier Tage ist das unser Zuhause.

Es ist 18:30 Uhr und wir haben noch 35 Grad, und hui – im Haus ist es noch viel heißer. In einem Schlafzimmer gibt es einen riesigen Ventilator, eine Art Klimaanlage, die ordentlich durchbläst. Das Zimmer nehme ich, Sabine mag es ohnehin immer schön mollig warm.

Am Abend sitzen wir auf unserer Holzveranda und warten auf die Kühle der Nacht. Langsam taucht der Vollmond die Umgebung in ein weiches Licht. Wir hängen unseren Gedanken nach und schlürfen ein Bier.

Irgendwann ist es auch im Haus kühler, und wir gehen schlafen.

Tag 11 Ein Tag in der Einsamkeit

 

Bei Sonnenaufgang sitzen wir schon auf unserer Veranda. Eine himmlische Ruhe lässt den Tag erwachen. Noch ist es angenehm kühl, aber so wird es sicher nicht bleiben.

Wir haben keinen Zeitdruck. Der gestrige Tag war lang und anstrengend, jetzt lassen wir uns in den Tag fallen und nehmen es, wie es kommt. Die Stille, die Landschaft – wie beruhigend. Ich denke kurz an Klapperschlangen, werde von winzigen Mäusen abgelenkt, überlege dann, dass Klapperschlangen Mäuse jagen, sehe den Wasserschlauch im Garten, halte ihn kurz für eine Klapperschlange und muss darüber lachen.

Gegen Mittag erwacht unsere Unternehmungslust und wir beschließen, in das 43 Kilometer entfernte Sheldon National Antelope Refuge zu fahren. Die Strecke führt eine Stunde lang über eine Schotterpiste, die Landschaft ist einsam, karg und auf ihre eigene Weise schön. Hier gibt es kein Haus, keine Menschen und – wie sich herausstellt – auch keine Tiere.

Am Eingang gibt es niemanden, der einen begrüßt, nur eine Infotafel, und dann geht es auf einer naturbelassenen Straße den Berg hinauf. Nach 20 Kilometern wird der Weg schlechter und irgendwann ist für unseren Toyota RAV4 ohne Allrad Schluss.

Weiter in die Wildnis trauen wir uns nicht – natürlich ist die Versuchung groß, immer mehr zu entdecken. Aber man muss auch realistisch sein. Hier hängen zu bleiben, wo niemand vorbeikommt und kein Handyempfang ist, wäre ein Albtraum.

Ohne eine Antilope gesichtet zu haben, machen wir uns auf den Rückweg.

 

 

Am späten Nachmittag sitzen wir auf der Veranda. In der Ferne tobt ein Gewitter, der Horizont ist erhellt von Blitzen, und das Donnern ist bis zu uns zu hören. Kommt es näher – und noch wichtiger: Haben wir einen Blitzableiter auf dem Dach?

Ein wenig sind wir beunruhigt, auch wenn wir auf ein tolles Panorama blicken. Aber nein, es zieht an uns vorbei, und es wird eine ruhige Nacht ohne Evakuierungsgedanken :).

 
 

Tag 12 Black Rock Desert und ein Drama

 

Nein, wir fahren nicht zum Burning Man. Das Festival ist seit zwei Tagen vorbei.

Die Sterne stehen noch am Himmel, als wir uns in den noch frischen Tag aufmachen. Es sollte ein langer Tag werden, der sich anders gestaltet als erhofft – doch davon ahnen wir noch nichts, als eine Stunde später die Sonne über der Wüste aufgeht.

 

 

Über eine Strecke von 136 Kilometern führt uns eine Schotterpiste zur Black Rock Desert, wo jährlich im September das Burning-Man-Festival stattfindet. Dort entsteht eine regelrechte Stadt aus Wohnwagen, Trucks und Zelten – und natürlich spektakulären Kunstwerken.

Es dauert Tage, um alles auf- und wieder abzubauen. Es kommen teilweise bis zu 80.000 Menschen zum Feiern hierher, ganz ohne Strom und Internet. Toiletten mit langen Schlangen – wäre jetzt nicht meins. Lebensmittel gibt es nur, wenn man Selbstversorger ist, ansonsten heißt es, mit dem Fahrrad in den winzigen Ort Gerlach zu radeln. Einmal auf dem Festivalgelände eingeparkt, kommt man nicht einfach wieder raus und rein – erst wieder am Ende der Party.

Die Salzpfanne…

 

Wir fahren ein kleines Stück über die Salzpfanne. Der Untergrund ist fest und das Fahren macht Freude. Aber Vorsicht: Das Salz kann sich böse am Unterboden und an den Felgen festsetzen, und dann braucht man eine Spezialbehandlung, um es wieder zu entfernen – oder man bekommt richtig Ärger mit dem Autovermieter. Bei uns war zum Glück nichts, da wir wirklich nur kurz auf der Piste waren.

Bevor wir Gerlach erkunden – noch ohne zu wissen, wie intensiv wir den Ort überhaupt erkunden werden – geht es noch auf die einsame Soldier Meadows Road. Von hier hat man immer wieder schöne Aussichten auf die Salzpfanne.

Wir haben Spaß, steigen immer wieder aus, um von uns und der Landschaft schöne Fotos zu machen.

 

Und ach, wie blöd – unsere kleine Eitelkeit hat Folgen.

Gestern noch so vorsichtig und heute schon das Auto in den Sand gesetzt. Blöd gelaufen. Unsere kleine Eitelkeit wird hart bestraft. Umsichtig wie Sabine ist, wollte sie das Auto nur an den Rand fahren, so ein kleines Stück neben die Straße – und schwupps sitzen die Vorderräder im tiefen Sand. Was fest aussah, entpuppt sich als reiner Sand.

Nun gut, nicht lange jammern … Sabine liegt schon halb unter dem Auto und versucht, die Reifen freizubuddeln. Leider hilft hier nichts: kein Klappspaten, keine Sträucher … alles vergebens. Was nun? Noch sind wir guter Dinge – das wird schon.

Oh, wenn wir da schon gewusst hätten …

Bald kommt ein Auto – hey, ein Auto! Es hält an, und ein junger Mann ist sofort hilfsbereit. Auch er versucht es mit Spaten, Büschen und Stöcken. Wir sind schon voller Hoffnung, aber sein Gesicht sagt … nee, das geht auch nicht. Das Auto sitzt vorne auf, und er hat auch kein Abschleppseil dabei.

Wir beraten uns. Er sagt, er könnte uns nach Gerlach mitnehmen – vielleicht kann dort jemand helfen. Oder … ja oder? Oder wir rufen die Feuerwehr (911). Die kommen dann aus etwa 100 Kilometern Entfernung.

„What?! Wie bitte?“ fragt Sabine mit schriller Stimme. „Das machen wir auf keinen Fall“, flüstert sie mir zu. Was das kostet … nein, da gibt es sicher noch andere Möglichkeiten.

Vor meinen Augen sehe ich schon die Feuerwehr anrücken, wie sie uns anschauen wird, und die Kosten … nein.

Also: auf nach Gerlach.

 
 

Gerlach – ein Ort, der eigentlich nur zur Zeit des Burning Man erwacht.

Wir gehen zuerst in eine Bar und fragen nach Hilfe. Alle sind furchtbar nett, aber alle haben selbst kein Auto und suchen nur eine Mitfahrgelegenheit – einfach nur, um wieder nach Hause zu kommen. Das wollen wir auch. Man gibt uns den Tipp, ins Touristen-Info-Center zu gehen.

Also laufen wir dorthin. An der Ecke steht ein Motel – auch eine Möglichkeit, denke ich.

Die Frau im Tourist-Info-Center ist total nett und hilfsbereit, wie alle hier. Aber die Nachricht ist ernüchternd: Ja, es gibt eine Autowerkstatt, aber die öffnet erst morgen, ebenso die Tankstelle.

„Gut“, sage ich, „dann bleiben wir hier im Motel bis morgen.“

Sabine ist darüber nicht amused. „Waaas? Nee oder?“, sagt sie und denkt dabei bestimmt an ihre Bürsten.

„Ja klar, da vorne ist ein Motel“, bemerke ich.

„Ja“, meldet sich die Frau aus dem Office – und nimmt mir auch die letzte Hoffnung. „Das Motel ist leider geschlossen.“

Grummel.

Wir sollen in einer Stunde nochmal vorbeischauen, sie versucht etwas zu arrangieren. Vor der Tür lassen wir uns frustriert in zwei Stühle fallen. Was jetzt? Müssen wir hier auf diesen Stühlen übernachten – im Kleidchen, ohne Decken, ohne Pulli, ohne Alkohol?

Unser Blick fällt auf ein Haus mit großer Reklame: „Joe’s Gerlach Club – Poolbillard, Slotmaschinen, Karaoke …“ daneben ein Salon. Wir schauen uns an und müssen lachen, weil wir den gleichen Gedanken haben: Wir werden dort über Nacht bleiben. Was für ein Gedanke. Der Humor ist noch nicht verloren.

Wir schlendern in einen Biergarten und bestellen eine Pizza, um den Hunger zu stillen. Dort kommen wir mit einigen letzten Gästen des Festivals ins Gespräch – schrill, bunt und sehr aufgeschlossen erzählen sie von ihren Erlebnissen der letzten Tage. Aus Texas, Arizona und Los Angeles sind sie angereist, um zu feiern, und alle würden uns sofort helfen. Eine Frau würde uns sogar mit nach Dallas nehmen – da hätte ich jetzt auch Lust drauf. Leider hat niemand ein kräftiges Auto mit Abschleppseil.

Im Info-Center sind die Nachrichten auch nicht gut: Niemand hat auf den Facebook-Aufruf reagiert oder war schon zu weit weg.

Also doch Slotmaschinen und Karaoke.

Da hat Sabine plötzlich die Idee: „Schreib doch mal unseren Vermietern, ob sie eine Möglichkeit sehen, uns zu helfen.“

Na klar – warum ist uns das nicht schon vorher eingefallen? Etwas peinlich ist es schon, aber es ist unsere letzte Chance für heute.

Und die Antwort kommt in Sekundenschnelle: „Wir kommen und helfen euch.“

Noch heute, wenn ich daran denke, kann ich das kaum glauben: Da fahren Menschen 136 Kilometer, um uns aus einer kleinen Notlage zu befreien.

Oft denke ich: Würde das in Deutschland auch so sein? Würde ein Vermieter abends 136 Kilometer fahren, um seinen Gästen das Auto aus dem Dreck zu ziehen? Sorry – ich glaube nicht.

 
100erte Fahrräder nach dem Burning Man. Die braucht man um vom Festival mal nach Gerlach zufahren.
 
Bier, Kaffee und mehr...
 
 
 
Hier gab es eine gute Pizza und nette Gesellschaft
 
Unsere Übernachtungsmöglichkeit
 
  
 
 
 
 

Zwei Stunden müssen wir noch ausharren, dann sind sie da. Uns ist das alles so peinlich, aber beide lachen nur und winken ab: „Hauptsache, ihr seid gesund und hattet Spaß.“ Oh ja – Spaß hatten wir den ganzen Tag.

Auf dem Weg zum Auto geraten wir plötzlich, ohne jede Vorwarnung, in einen Sandsturm. Wie aus dem Nichts ist er da, und wir haben null Sicht mehr. Ich denke nur: noch mehr Spaß … das war’s jetzt, wir werden das Auto heute nicht mehr bergen können.

Erstaunlicherweise ist der ganze Spuk nach wenigen Minuten vorbei.

Da steht er – unser RAV4 – und es dauert nur ein paar Minuten, bis er mit einem Abschleppseil aus dem Sand gezogen wird. Danach bekommen wir sogar noch ein kaltes Bier und müssen unsere Geschichte noch einmal erzählen.

Niemals werden wir erfahren, was die beiden wirklich über uns gedacht haben, aber sie waren unglaublich hilfsbereit und freundlich – und wir unendlich dankbar.

Am Ende lassen wir trotzdem Geld im Haus, um wenigstens die Spritkosten zu decken.

Beide wollen noch hinter uns herfahren, damit wir sicher nach Hause kommen, aber das lehnen wir strikt ab. Das schaffen wir schon. Sie winken uns noch zu, und schon sind sie nur noch eine Staubwolke in der Ferne.

(Wie sehr er sich wohl gefreut hätte, hinter uns herzuzuckeln … 😊)

 
 

Nun ja – wir sind nach Hause gekommen, aber wie der nächste Tag zeigt, hätte das auch schiefgehen können.

Die Sonne stand schon am Horizont, als wir den Heimweg antraten. Der Himmel verfärbte sich glutrot, bevor sich überall die Dunkelheit ausbreitete. Im Licht der Scheinwerfer erhaschten wir schemenhafte Umrisse von Rehen am Straßenrand. Also noch vorsichtiger und langsamer fahren.

Und da geht es auch schon los: Woher zur Hölle kommen all diese Kaninchen? Ständig laufen sie durch das Scheinwerferlicht, knapp an unserem Auto vorbei … auch das noch.

Für den romantischen, klaren Sternenhimmel hatten wir heute keinen Blick mehr.

Endlich zu Hause!!! Mit dem Auto!!! Ohne Kaninchen am Spoiler!!

Was für ein Tag – aber wir haben unseren Humor nicht verloren.

 
 
 
 

Tag 13 Nie hat man Ruhe

Guten Morgen Amerika

 
 
 

Auch heute ist wieder viel Humor gefragt – und starke Nerven. Langsam entwickelt sich der Urlaub zu einem Abenteuer mit neuen Erfahrungen.

Bis zum Mittag ist unsere Welt in Ordnung. Wir sitzen auf der Veranda, lesen und plaudern. Dann kommt uns die Idee: Ach, fahren wir doch nach Cedarville und schauen uns den kleinen Ort an.

Gut, dass wir diese Entscheidung jetzt schon getroffen haben – denn die nächste Herausforderung wartet bereits auf uns. Keine fünf Meter fahre ich das Auto, und schon ist klar: Es gibt ein Problem.

„Sabine, da stimmt was nicht … ich glaube, wir haben vorne einen Platten.“

Leider bestätigt sich mein Verdacht: vorne links ist er tot. Prima – wann kann man schon mal einen Reifen wechseln?

Den Vermieter anrufen? Auf gar keinen Fall. Wir machen das.

Sabine hat das früher schon einmal selbst gemacht und von ihrem Vater gelernt. Danke, Herr M., dass Sie Ihrer Tochter das beigebracht haben. Ich habe davon keinen Schimmer, aber das wird schon klappen.

Also erst einmal umziehen und im Handbuch blättern. In der Theorie ist alles klar.

Los geht’s!

Das Auto steht gerade und der Untergrund ist fest – schon mal sehr gut. Einen Ersatzreifen haben wir auch – noch besser.

Wie zum Teufel bekommen wir die Schrauben auf, die ja mit Maschinenkraft angezogen wurden? Schnell haben wir eine Idee: Einer von uns stellt sich auf die Verlängerung des Schraubenschlüssels. So klappt es tatsächlich erstaunlich gut – etwas wippen, und nach jeder Umdrehung löst sich eine Schraube, dann auch die anderen.

Dann das Auto aufbocken – und der Rest ist ein Kinderspiel. Beim Anziehen der Schrauben am Ersatzrad geht es genauso flott.

Wow. Wer hätte das gedacht? Wieder etwas gelernt.

 
 
 

Wir sind startklar! Auf geht’s! Der nächste größere Ort ist Alturas, 50 Kilometer entfernt – dort gibt es einen Reifenhändler.

Vorsichtig fahren wir los, der Reifen hält super. Na also.

Eine Stunde vor Ladenschluss erreichen wir die Werkstatt. Die Dame am Empfang hört sich unser Problem an und strahlt plötzlich über das ganze Gesicht: „Sie kommen aus Deutschland, nicht wahr? Ich habe lange in Deutschland gelebt.“ Und schon wissen wir – hier wird uns geholfen.

Und genau so ist es auch. Sofort wird unser Reifen überprüft, geflickt und wieder aufgezogen. Alles okay, kein größerer Schaden. Wir bezahlen 20 Dollar – zwanzig Dollar! Das ist wirklich wenig.

Wir bedanken uns für den super schnellen, tollen Service und fahren weiter nach Cedarville. Der Ort ist klein, aber durchaus charmant. Besonders das kleine Café an der Hauptstraße hat förmlich auf uns gewartet.

So hat auch dieser Tag ein gutes Ende genommen.

 

Tag 15 Lake Tahoe

 

Ein wunderschöner Tag beginnt mit strahlend blauem Himmel und Sonne pur. Unser Kofferraum ist voll mit unseren Stühlen und den Badetaschen – mit allem, was man für einen entspannten Strandtag braucht.

Nur etwa eine Stunde Fahrt liegt vor uns auf einer sehr gut ausgebauten Straße durch die Berge hinunter zum See. Spätestens im Ort Incline Village muss man sich entscheiden, welchen Teil des riesigen Sees man besuchen möchte.

Mit einer Fläche von 496 Quadratkilometern ist der Lake Tahoe wahrlich kein kleiner See.

Unsere Wahl fällt auf den Sand Harbor Beach mit vielen schönen Strandabschnitten. Der Eintritt in die Parkzone beträgt 15 Dollar, und es ist noch viel Platz zum Parken vorhanden.

Ganz zauberhaft ist es hier: schöne Strände, umgeben von Nadelbäumen und Felsen. Das Wasser ist glasklar und überhaupt nicht kalt. Ein kleines Paradies – aber sicher nicht in der Hauptsaison.

 

 

 

Lesen, dösen, baden, laufen, quatschen … ach, der Tag vergeht viel zu schnell.

Am Nachmittag ziehen plötzlich Rauchwolken aus der Ferne über den See. Dunst legt sich schnell über das Wasser, und ein strenger Geruch von Feuer erfüllt die Luft. Ein Zeichen für uns aufzubrechen und nach Reno zurückzufahren.

Wir erfahren, dass ein großes Feuer seit zwei Tagen in etwa 100 Kilometern Entfernung wütet. Auch durch die Straßen von Reno zieht jetzt ein beißender Brandgeruch und ein gelblicher, dunstiger Qualm.

 

Nun kommen wir in die „Little City“, die Innenstadt von Reno mit ihren Spielhallen und Hotels.

Wow – eine Enttäuschung!

Wenn jetzt noch der dunstige Qualm hier durchziehen würde, könnte man glatt an The Day After denken. „Trostlos“ ist das Wort, das mir als Erstes einfällt. Kaum Menschen sind zu sehen – sind das überhaupt Menschen? Ich will es gar nicht wissen.

Wenn es hier einmal Leben gab, dann ist es schon sehr lange vorbei.

 

 

In den großen Casinos herrscht unerwartet reges Treiben. Ach, hier sind alle – sehen aber auch nicht besonders gesund aus. Die Inneneinrichtung ist ebenfalls schon in die Jahre gekommen … ist halt nicht Las Vegas.

Wir schauen uns etwas um, trinken einen Gin Tonic, Sabine setzt 50 Dollar auf Rot, gewinnt – und wir gehen wieder.

Tag 16 Über die Berge nach Coarsegold, Kalifornien

 

Wo ist und warum ist man in Coarsegold?

Eine ehrliche und schnelle Antwort: Der Ort liegt in der Nähe – etwas weiterer Nähe – des Yosemite National Parks. Und da wir nicht bereit sind, so viel Geld für eine Unterkunft direkt im National Park oder kurz davor auszugeben, ist Coarsegold unser Number One.

Unsere heutige Route verspricht schöne landschaftliche Abwechslung. Google zeigt uns verschiedene Strecken an, wir wählen den längeren und reizvolleren Weg über die Berge. Mit 430 Kilometern sind wir dabei.

Es ist wirklich ein Genuss hier zu fahren: kaum Verkehr und eine sehr schöne Landschaft. Hoch und runter geht es durch die Berge, vorbei an kleinen Seen, dichten Wäldern und kleinen Ortschaften. Mal hier, mal da halten wir an, um ein Café oder einen kleinen Laden zu besuchen, und wir finden auch immer etwas – wenn es auch nur eine Kleinigkeit ist.

Wir verlassen uns auf Tante Google, auch wenn die Streckenführung manchmal etwas eigenwillig erscheint. Letztlich erreichen wir unser Ziel mit vielen kleinen Umwegen.

 

In der nächstgrößeren Ortschaft, Oakhurst, suchen wir einen Supermarkt auf, um uns für die nächsten Tage einzudecken. Das denken wir immer – aber in Wahrheit sind wir am nächsten Tag wieder dort und auch an allen anderen Tagen.

In Oakhurst gibt es alles, was man braucht, in Coarsegold eher nicht so viel.

Es erwartet uns ein schönes Häuschen in ländlicher Ruhe.

 

Die Sonne steht schon tief als wir unser Abendessen mit einem Glas Wein beenden.

Es war wieder ein langer schöner Tag.

Gute Nacht bis morgen.

Tag 17 Yosemite National Park

Eine erholsame Nacht liegt hinter uns, die komfortablen Betten haben uns tief und fest schlafen lassen. Ausgeruht und voller Vorfreude machen wir uns bereit für unseren Ausflug ins Yosemite Valley – ein Paradies für Wanderfreunde und Naturliebhaber. Die Fahrt dorthin ist lang, aber der frühe Start lohnt sich allemal. In der Nähe des Parks und auch innerhalb gibt es zahlreiche und teure Unterkünfte. Unsere Häuschen liegt ruhig und ist bezahlbar, da fahren wir gerne ein paar Kilometer mehr.

Die Straße windet sich hinauf in die Berge, und nach 27 Kilometern erreichen wir den Parkeingang. Der Eintritt beträgt 35 Dollar pro Fahrzeug und ist drei Tage gültig. Doch selbst im Park sind wir noch nicht am Ziel – weitere 42 Kilometer trennen uns vom majestätischen Yosemite Valley. Auf unserem Weg passieren wir verbrannte Wälder, Zeugen vergangener Feuer, die in der Landschaft ihr trauriges Zeichen hinterlassen haben.

Bedauerlicherweise ist der Weg zum Glacier Point aufgrund von Straßenarbeiten gesperrt – eine enttäuschende Nachricht, da ich mich bereits auf die dortige Wanderung gefreut hatte. Ein Tunnel führt uns schließlich zum Eingang des Tals, und nach dem Passieren empfiehlt sich eine kurze Pause auf dem Parkplatz. Von diesem Aussichtspunkt aus eröffnet sich ein atemberaubender Blick ins Tal. Hier trifft man nun auf den internationalen Tourismus; der Parkplatz ist voll mit Autos und Bussen.

 

 

Die Straße führt als Einbahnstraße durch das Tal. An den Wanderwegen gibt es kleine Parkplätze, deren Kapazität schnell erschöpft ist. Wir müssen uns zunächst orientieren und entscheiden uns, auf dem großen zentralen Parkplatz zu parken. Von hier aus stehen kostenlose Wanderbusse zur Verfügung, die wir aber nicht benötigen.

Ein Supermarkt, ein Informationsstand und Restaurants sind ebenfalls vorhanden. Es ist Mitte September, und der Ort ist richtig belebt. Menschen strömen hierher, um zu wandern, zu klettern und Fahrrad zu fahren. Hier braucht man keine Angst vor einsamen Wanderungen zu haben – im Gegenteil. Es ist auch Bärenland, daher gilt Vorsicht beim Picknick: Bären riechen deine Brote, bevor du sie in den Mund steckst.

Zu Beginn finden wir alles noch ein wenig verwirrend, doch dann entscheiden wir uns einfach, loszulaufen. Wir passieren den Lower Yosemite Fall, der in dieser Jahreszeit leider kein Wasser führt, aber dennoch beeindruckend ist .

 

 

Später kommen wir an der nicht besonders ansprechenden, aber dennoch sehr teuren Yosemite Valley Lodge vorbei. Das dazugehörige Restaurant erinnert eher an eine Kantine. Für einen Kaffee reicht es dennoch, und Proviant haben wir selbst mitgebracht. Draußen auf einer Bank in der Sonne sitzend, lassen wir es uns gutgehen. Nicht weit entfernt parkt eine Gruppe von Harleyfahrern, und wir hören schnell heraus, dass sie aus Deutschland kommen.

Während wir das Tal verlassen, entdecken wir einen idyllischen Strand am Fluss. Wir beschließen, dass wir dort morgen verweilen werden.

Erschöpft von einem langen Tag kehren wir zurück, doch die Fahrt zieht sich endlos hin. In Oakhurst gehen wir noch in den Supermarkt, um unser Abendessen einzukaufen. Immer wieder sind wir erstaunt darüber, wie teuer alles geworden ist. Einzige Ausnahme sind Bagels und Donuts für je 99 Cent. Bei uns gibt es heute wieder etwas aus der Delikatessenabteilung: Roastbeef und einen exzellenten Nudelsalat.

Die Abende werden nun merklich kühler, auch wenn die Tagestemperaturen noch um die 30-Grad-Marke liegen. Wir machen es uns drinnen gemütlich und gönnen uns einen entspannten Abend mit Netflix.

Tag 18 Noch einmal ins Valley

Der Tag beginnt wieder sonnig, und wir fahren erneut ins Valley zum Wandern. Die Fahrt dorthin ist auch beim zweiten Mal nicht kürzer. Das macht uns doch schon recht müde und faul. Bei unserer Ankunft müssen wir uns erst einmal strecken und brauchen einen Kaffee, erst dann denken wir an unsere Wanderung.

Wir entscheiden uns heute für den Valley Loop, den man je nach Lust und Laune ausdehnen kann. Vom zentralen Parkplatz aus beginnen wir die Tour oberhalb des Supermarkts. Der Weg ist einfach, es läuft sich gut, und es sind hier wenige Menschen unterwegs. Immer wieder hat man einen schönen Blick auf den Half Dome, und sogar Rehe und ein Fuchs laufen uns über den Weg.

 

Wir unterhalten uns, obwohl ich das beim Wandern nicht so mag, aber wir wollen die Bären frühzeitig auf uns aufmerksam machen.

Irgendwann kommen wir am Mirror Lake an, der um diese Jahreszeit trocken ist. Hier treffen wir auch auf andere Wanderer. Ein Mann berichtet, dass er gerade eben, 100 Meter entfernt, einen Schwarzbären gesehen hat. Ach wirklich? Den wollen wir uns jetzt mal genauer ansehen … nein, natürlich nicht.

In dem breiten Flussbett lassen wir uns auf einem alten Baumstamm nieder, Rücken an Rücken, auf der Lauer nach dem Bären und essen unser Proviant, den wir nicht mit dem Bären teilen wollen. Ich könnte jetzt erzählen, wir hätten Bären gesehen, aber leider nein, das wäre eine Lüge. Wir haben viele Bären-Warnschilder gesehen, aber sonst nichts.

Nach vier Stunden ist unsere einfache Wanderung zu Ende, und wir kommen zum gemütlichen Teil. Wir fahren zum Merced River und setzen uns mit unseren Stühlen an den schönen Flussstrand. Umgeben von Bergen und Wäldern sitzen wir in einer grandiosen Natur und genießen jede Minute des Tages.

Die Rückfahrt ist natürlich weniger erquickend und wir freuen uns schon auf ein leckeres Abendessen auf unserer Terrasse, wenn wir mal endlich da wären.

 

Tag 19 Wieder Bäume im Mariposa Grove

 

Der Parkplatz liegt kurz hinter dem südlichen Eingang zum Yosemite-Nationalpark. Von hier aus kann man hochlaufen (moderat) oder den Shuttle-Bus nehmen. Wir entscheiden uns für die Wanderung und bereuen es nicht. Es ist ein guter Weg, der leicht ansteigt. Kurz vor dem oberen Parkplatz laufen wir durch einen verbrannten Waldabschnitt, in dem schon wieder neue Triebe sprießen.

Von hier aus führt ein Weg zu den Sequoias. Der bekannteste von ihnen ist der Grizzly Giant. Er steht hier schon seit 2.700 Jahren und ist 64 Meter hoch sowie 30 Meter im Umfang. Ich habe es nicht nachgemessen und verlasse mich dabei auf die Infoschilder. Was ich aber sagen kann, ist, dass uns die „Avenue of Giants“ im Humboldt State Park und der Redwood Park wesentlich mehr beeindruckt haben. Die dortige Baumdichte ist bei weitem höher als hier.

Auf dem Grizzly Giant Trail Loop laufen wir vorbei an einzelnen Riesen und kommen nach zwei Stunden wieder am oberen Parkplatz an. Für den Abstieg nehmen wir wieder den Washburn Trail.

So, ich beende jetzt die Erzählung von Bäumen und Wandern – nicht mehr in diesem Urlaub.

Den Nachmittag verbringen wir im blauen, warmen Wasser des Bass Lake. Hier kann man baden, schwimmen sowie Jetskis, Boote und Kajaks ausleihen. Aber Achtung: Man muss sich eine Parkkarte für 10 $ kaufen. Wo? Tja, das mussten wir erst herausfinden, aber nicht an diesem Nachmittag. Wir springen lieber in die Fluten.

Tag 20 Bass Lake

 

Der letzte Tag – noch einmal faul sein …

Unsere Wanderschuhe stehen bereits gesäubert und abfahrbereit neben unseren Reisetaschen.

Wir verbringen heute einen entspannten Tag am See. Da gibt es nicht viel zu erzählen – außer, dass es fabelhaft war. Am Abend gab es noch einen sehr leckeren Burger in einem Restaurant am See. Das Restaurant heißt Forks.

Bilder gibt es heute auch keine.

Tag 22 Alles hat ein Ende

Zum Flughafen sind es 30 Minuten mit kaum Verkehr. Am Flughafen läuft alles problemlos. Wir schauen noch einmal aus dem Fenster, dann sitzen wir auch schon im Flugzeug.

Die Air France hebt bei Nieselregen ab. Wir lassen San Francisco hinter uns, drehen eine Schleife über dem Meer und düsen nach Hause.

 

Auf Wiedersehen!

 

Das war meine letzte Reise in die USA. Geplant war ein 6wöchiger Trip im Jahre 2027. Aber so wie die Dinge sich entwickelt haben und natürlich die enorm hohen Kosten, ist der Plan ersteinmal auf Eis gelegt. Da geht es lieber nach Südafrika.