Die Route
Eine Reise mit der besten Freundin nach Argentinien!
Patagonien: Unendliche Weiten, eine Welt zwischen Gletschern, Seen und Bergen, besondere Wanderungen!
Iguazú: Unglaubliche Wasserfälle in zwei Ländern.
Iberá-Pantanale: Abenteuer in den Sümpfen.
Buenos Aires: Europa in Südamerika.
Übernachtungen
- 1 Nacht in Buenos Aires im B&B
- 3 Nächte in El Calafate im Hotel
- 3 Nächte in El Chaltén im Apartment
- 4 Nächte im Hotel
- 4 Nächte in Iberá auf einer Hazienda
- 3 Nächte in der Nähe der Mocona-Wasserfälle im Hotel
- 3 Nächte in Buenos Aires im B&B
Transport
Flüge & Bus
- Drei Inlandsflüge
- Eine Busfahrt
Mietwagen
Schiffe & Boote
- Bootstour auf dem Lago Argentino
- Katamaranfahrt zum Upsala-Gletscher
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Tag 0-1 , Ankunft in Buenos Aires
Tag X ist gekommen. Wochenlang haben wir darauf hingefiebert, und nun geht es los. Wir sind mega aufgeregt. Der Koffer ist bis zum Rand voll: eine gute Mischung aus warmer Kleidung und Sommerkleidchen, nicht zu vergessen die derben Wanderstiefel.
Im A380 der Lufthansa starten wir am späten Abend in Frankfurt in Richtung Buenos Aires. In der Premium Economy Class lassen sich die dreizehn Stunden gut aushalten.
Tag 1 – Ankunft in Buenos Aires
Am Morgen landen wir pünktlich in Buenos Aires auf dem internationalen Flughafen Ezeiza. Um in die 32 Kilometer entfernte Innenstadt zu kommen, nehmen wir ein Taxi. Vorweg gesagt ist ein Taxi hier kein Schnäppchen, aber zu zweit durchaus machbar. Als Alternative gibt es auch einen Bus, der in die Innenstadt fährt. Alles ist gut ausgeschildert und die schwarz-gelben Taxis stehen vor der Tür. Hier gibt es ein kleines Häuschen, in dem man sein Ziel angibt. Man erhält eine Quittung mit dem Preis und wird einem Taxi zugeteilt. Bezahlt wird dann am Ende der Tour.
Für die Fahrt in den Bezirk San Telmo, die 40 Euro kostet, benötigen wir fast eine Stunde. Mit dem Gesicht kleben wir an der Scheibe des Taxis. Das, was wir sehen, erinnert stark an eine europäische Großstadt. Als das Taxi uns auslädt, stehen wir vor einem kleinen Hotel mit dem Namen San Telmo Luxus Suites. Heute heißt es wohl Soho Points San Telmo Suites. Das Stadtviertel ist eine typische Wohngegend mit älteren Häusern und schmalen Straßen. Früher war das Viertel eher ärmlich und heruntergekommen, aber jetzt mausert es sich zu einem beliebten Szeneviertel. Viele der Häuser hier sind restauriert, es gibt kleine Hotels und B&Bs, Restaurants, Cafés und Bars. In der Gegend kann man über nette kleine Märkte laufen und in kleinen Parks sitzen.

Am Abend findet man sicher einen der Plätze unter freiem Himmel, auf denen das reale Stadtleben stattfindet. Da sitzen Menschen zusammen, um zu reden, und von irgendwoher kommen Leute und tanzen Tango. Auch kommt man von San Telmo zu Fuß zum Plaza de Mayo und in das Teatro Colón.
Da wir nur eine Nacht bleiben, stellen wir nur unsere Taschen ab, duschen und machen uns auf den Weg ins nächste Café. Wir entdecken einen überdachten Markt mit einem netten Café. Da wir nach dem langen Flug dringend Bewegung brauchen, laufen wir die zwei Kilometer zum Plaza de Mayo. Leider ist es stark bewölkt, und die Fotos werden den Originalen nicht gerecht. Die Gebäude werden gewaltiger und die Straßen sind breit und offen, mit großen Plätzen.




Am frühen Abend sitzen wir nicht weit von unserem Hotel auf einem Platz. Die umliegenden Bars haben Tische aufgestellt und wir trinken echten argentinischen Rotwein für nicht mal einen Euro das Glas. Es ist ein milder Frühlingsabend, die Sonne ist doch noch hervorgekommen und die umliegenden Bäume blühen in lila und roten Tönen. Auf dem Platz wird es langsam voller. Viele Einheimische verlassen ihre Wohnungen, um sich hier noch etwas zu unterhalten. Und dann sind da junge Künstler, die Tango tanzen. Das ist ein typisches argentinisches Klischee. Der Wein, der laue Abend, der Tango unter dem Himmel … da werfe ich die Frage über den Tisch: „Sabine, wie sieht es aus, möchtest du nicht auch tanzen?“
Meine Freundin hat nämlich einige Tangokurse absolviert, und irgendwie kribbelt es ihr in den Beinen. Es findet sich bestimmt ein Kavalier hier. Sie lacht nur und lehnt dankend ab.
Tag 2 Patagonien wie kommen, El Calafate
Am sehr frühen Morgen, eigentlich noch nachts, sitzen wir schon in einem Taxi und fahren zum nahe gelegenen Domestic Airport. Drei Dinge sind um diese Uhrzeit prima: Wir befinden uns noch in der Jetlag-Phase, wir fliegen nach Patagonien und wir träumen – wir sind wirklich hier.
Der Flug dauert 3:40 Stunden, und unterwegs sieht man das große Nichts, nichts als die Weite der Steppe, manchmal durchzogen von türkisfarbenen Flüssen.
Am kleinen Flughafen von El Calafate angekommen, sind wir nur noch 4.159 Kilometer von der Antarktis entfernt – ein Katzensprung. Problemlos lassen wir uns mit dem Sammelbus bis zum Hotel bringen und erhalten ein nettes Zimmer. Ein Auto braucht man hier nicht unbedingt. Zum einen sind Mietwagen hier sehr teuer, zum anderen kommt man mit dem Bus und mit Tourenanbietern bestens zurecht.
Wir wohnen im zauberhaften Hotel Kau Yatún, auf dessen Wiesen sich die Pferde tummeln und manchmal die Schäfchen vorbeiziehen. Sehr ländlich, aber fußläufig zum kleinen Ort El Calafate.
Das Wetter ist wie erwartet frisch und etwas windig, aber von „brrrr“ sind wir hier weit entfernt. Nachdem wir uns im Zimmer für drei Nächte eingerichtet haben, laufen wir in den Ort. Ein nettes Zentrum, hier bekommt man alles, was man braucht – erstmal einen Kaffee.
Anschließend finden wir ein Reisebüro, um unsere Wunschtouren zu buchen und die Busfahrt nach El Chaltén zu organisieren. Eine halbe Stunde später sind wir zwar um einige Euro leichter, aber glücklich, dass alles geklappt hat. Ich habe mir damals nur die Preise in Pesos notiert, daher kann ich nicht mehr genau sagen, was wir für die einzelnen Touren bezahlt haben.
Morgen geht es zum Perito-Moreno-Gletscher, der im Nationalpark Los Glaciares liegt und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Der Gletscher ist ein Hauptgrund, warum Touristen nach El Calafate kommen. Man kann ihn gut und aus der Nähe vom Land aus sehen oder auch eine Bootstour auf dem Lago Argentino bis in die Nähe seiner Gletscherzunge machen.
Tag 3 Perito Moreno Gletcher
Am nächsten Morgen stehen wir pünktlich und warm angezogen vor der Tür des Hotels, und schon werden wir vom Pick-up-Bus abgeholt. Es geht zum Busbahnhof und von hier aus fahren Tourenbusse in den Nationalpark zum Gletscher.
Auf der 80 Kilometer langen Fahrstrecke zieht die Landschaft am Fenster vorbei, immer das gleiche Bild: karge Steppe und am Horizont weiße Berge. Langsam wird man schläfrig. Dann sind wir da, auf einem großen Parkplatz mit vielen Menschen. Wir zahlen die 500 Pesos Eintritt und schon geht es los.
Über angelegte Pfade läuft man am Lago Argentino entlang und dann, nach der nächsten Kurve, hat man die volle Sicht auf diesen grandiosen Gletscher. Uns verschlägt es die Sprache, wir sind tief beeindruckt von diesem Naturwunder. So groß und mächtig liegt dieser Gletscher vor uns, ein Eisfeld bis zum Horizont. Da fühlt man erst, wie klein man ist. Selbst die Boote wirken wie Ameisen dagegen.


Wir können gar nicht genug bekommen von der Aussicht. Ab und zu wird die Stille unterbrochen durch ein lautes Knirschen und Knacken, das durch die Gegend hallt. Jeder bleibt stehen und blickt gespannt auf den Gletscher. Es ist ein schaurig-schönes Naturerlebnis, wenn sich dann das Eis löst und mit lautem Krachen ins Wasser fällt. Wir können unsere Blicke kaum losreißen, so begeistert sind wir.
Ja, aber Moment mal, wann fuhr noch mal der letzte Bus zurück?, frage ich mich. Hektisch kramen wir in unseren Rucksäcken nach dem Rückfahrschein. Puh, noch 45 Minuten Zeit bis zur Abfahrt. Da geht noch ein Kaffee oder soll ich mal den Mate-Tee probieren?
Hat jemand schon einmal den berühmten Mate-Tee getrunken? Meins ist es nicht.......
Am Abend fallen wir müde ins Bett. Vorher muss ich wieder meinen Rucksack durchforsten auf der Suche nach den Tickets für morgen. Denn morgen früh haben wir eine Katamaranfahrt zum Upsala-Gletscher gebucht.
Tag 4 Die Katamaran Fahrt zum Upsala Gletscher
In viele Kleiderschichten eingepackt, stehen wir am frühen Morgen, noch ganz müde, zur Abholung bereit. Der kleine Bus bringt uns in den 40 Kilometer entfernten Hafen, und dort besteigen wir einen schon recht vollen Katamaran. Brav setzen wir uns alle in die Bordsessel und lauschen den Sicherheitsbestimmungen. In die Rettungswesten zu steigen und ins Wasser zu springen – darauf ist hier wohl keiner besonders scharf.
Leider fehlt die Sonne. Trüb zeigt sich der Himmel in dunklen Grautönen, und es weht ein kalter Wind – das ist Patagonien. Später dürfen wir auch nach draußen, wahrlich keine Freude, eisig fegt der Wind um uns herum. Da nützen einem auch die dicken Mützen nicht wirklich. Immer wieder stoppt der Katamaran, um uns die Möglichkeit zu geben, die recht großen, treibenden Eisberge im hellblauen Wasser zu fotografieren.
Am Upsala-Gletscher strömen dann alle nach draußen, das ist nun auch keine Überraschung. Es gibt ein ordentliches Gedränge, weil jeder die schönsten Fotos machen möchte. Wenn man schon den Perito-Moreno-Gletscher gesehen hat, ist es hier etwas enttäuschend, vor allem, da man nicht sehr nahe an den Gletscher herankommt.
Der Ausflug war nett, und bei Sonnenschein wäre er noch netter gewesen. Auch bei dem stolzen Preis von 95 Euro haben wir ihn nicht bereut. Die Eisberge, die wilde, weite Landschaft, der Wind, die Luft – ja, wir würden es wieder machen.
Am Nachmittag sind wir zurück und laufen noch zum Vogelschutzgebiet Nimez, aber ohne besondere Sichtungen, dafür aber mit klarer, reiner Luft und dem großen Nichts.
Als am späten Nachmittag die Sonne doch noch hervorkommt, sitzen wir im Eiscafé an der Hauptstraße draußen am Tisch und genießen ein Eis und die warmen Sonnenstrahlen. Na, geht doch.
Tag 5 El Chalten
Der Tag beginnt mit einem schönen, ausgiebigen Frühstück. Unsere Taschen sind gepackt, und wir haben noch Zeit bis zu unserer Abfahrt nach El Chaltén. Der kleine Bus setzt uns am Busbahnhof ab. Von hier aus geht täglich ein Bus der Firma Las Lengas nach El Chaltén – so der Plan.
Erst einmal tut sich nichts, und eine Auskunft erhalten wir auch nicht. Also holen wir uns einen Kaffee und warten auf das, was folgen wird. Nach zwei Stunden kommt endlich Bewegung in die Sache. Ein Transporter lädt uns zum Einsteigen ein. HUUUUH – so wie in Horrorfilmen … und man fand sie nie wieder. Nein, wir waren nicht die Einzigen, die etwas irritiert in den Transporter stiegen. Irgendwo zwischen Rucksäcken und Taschen finden wir einen Platz zum Sitzen – daran hatte ich bei der Buchung nicht gedacht.
Als wir dann halbwegs bequem sitzen, hält der Bus nach 20 Minuten an. Der Fahrer entlädt wortlos unsere Sachen und bedeutet uns auszusteigen. Ach was, hier? Schön ist es nicht, mit unserem Gepäck am Straßenrand in der endlosen Prärie zu stehen – gut, dass es keine 40 Grad sind. Unser Fahrer wirft uns noch ein paar schnelle und undeutliche Sätze zu, steigt ins Auto, lässt den Motor an und ruft uns noch ein „Adiós“ aus dem Fenster zu – und weg ist er.
Alle schauen sich etwas verdutzt an, und das Ehepaar aus Buenos Aires erklärt uns dann die Situation. Ein Bus wird kommen, der uns aufnimmt und zum Ziel bringt. Okay, „gleich“ ist außerhalb Deutschlands (mit Ausnahme der DB) immer relativ, also stellen wir uns auf eine längere Wartezeit ein.
Hätte ich den Kaffee doch nicht getrunken, denke ich, und schon säuselt mir Sabine ins Ohr: „Eine Toilette wäre jetzt toll.“ Schlechtes Timing, da hier weit und breit kein Busch zu sehen ist. Doch plötzlich taucht am Horizont tatsächlich ein Bus auf – unser Bus. Einige Reisende sitzen schon drin, und wir finden noch einen schönen Platz am Fenster. Nur das Toilettenproblem ist leider nicht gelöst.
Nach etwa einer Stunde, mitten in der Pampa, erreichen wir eine Raststätte mit Restaurant und Zimmern. Gott sei Dank, endlich! Mit voller Blase wurde die Situation allmählich sehr ungemütlich.
Vor über 100 Jahren sind hier Butch Cassidy und Sundance Kid vorbeigekommen – an der Grenze zu Chile haben sie sich wohl einige Jahre versteckt. (34) (37) (35) (36)
Nach insgesamt drei Stunden erreichen wir den Busbahnhof von El Chaltén. Der Ort ist nicht sehr groß, und wir können zu Fuß zu unserer Unterkunft gehen. Unsere Airbnb-Unterkunft, das Aires del Fitz Cabañas, liegt in einem Teil des Ortes, der noch etwas an den Wilden Westen erinnert. Die recht neue Unterkunft vermietet zwei bis drei Zimmer. Sie sind sauber, gemütlich, warm und verfügen über eine Küche.
Der Ort selbst wirkt zunächst recht uninteressant. Die Touristen, die hierherkommen, kommen zum Wandern – besonders wegen des berühmten Fitz-Roy-Massivs. Auch wir sind deswegen hier, um eine schöne und anspruchsvolle Wanderung zu unternehmen.
Man traut es dem Ort zunächst nicht zu, aber es gibt hier eine touristische Straße mit Hotels, B&Bs und Restaurants – das erinnert ein wenig an Tirol.
Eine anspruchsvolle Wanderung ist unser Stichwort – schaffen wir das? Nicht, dass wir noch nie gewandert wären – wir waren bereits in Österreich, der Schweiz und den USA wandern –, aber das hier wird etwas ganz Großes.
Also laufen wir zum Touristeninformationszentrum, wo es auch Informationen über die Wanderwege gibt. Wir treffen einen jungen Mitarbeiter und fragen ihn nach den Schwierigkeitsgraden der Touren. Natürlich wollen wir die Laguna de los Tres erwandern. Seine Ansage an uns: „Ja, klar, das müsst ihr unbedingt machen. Es ist megaschön, und den einen Kilometer hinauf zum Lago, der am anstrengendsten ist, müsst ihr ja nicht machen.“
Wir wollen das aber!
Morgen ist erst einmal eine sogenannte Einlauftour geplant.
Tag 6 Sandero Laguna Torre
Um 7:30 Uhr starten wir bei sonnigem und kühlem Wetter. Zu Beginn steigt der Weg stetig an, ab dem Aussichtspunkt wird es leichter. Immer wieder haben wir einen schönen Blick auf das Fitz-Roy-Massiv.
Wir laufen durch Wälder und kommen an blühenden Wiesen, kleinen Wäldchen und Bächen vorbei. Der Weg ist schmal und gut ausgeschildert. Es sind recht viele Menschen unterwegs – einsam ist es hier nicht gerade.
Viel sprechen wir nicht. Wir genießen die Aussicht, und jeder hängt seinen Gedanken nach. Das ist das Schöne am Wandern – die Ruhe und einfach mal den Kopf freizubekommen. Nichts ist auf einer Wanderung schlimmer als Wandergruppen, die nur am Quatschen sind – zum Plaudern geht man ins Café.
Auf einer Blumenwiese setzen wir uns auf unsere Jacken, essen unsere Brote und lassen uns von den Sonnenstrahlen wärmen.
Auf dem weiteren Weg ziehen Wolken auf, und der eisige Wind nimmt merklich zu. Endlich erreichen wir den See, doch die Sonne ist leider ganz verschwunden – und das Fitz-Roy-Massiv auch. Alles ist in Wolken gehüllt, selbst der See wirkt trostlos und langweilig.
Macht nichts, die Wanderung war trotzdem schön. Zurück geht es auf demselben Weg. Auf den letzten Kilometern bin ich gedanklich schon beim Abendessen oder einem Törtchen. Ein Bier wäre nett, oder besser noch ein Glas Wein.
Ach schau, die Sonne kommt wieder heraus. Nach sechs Stunden sind wir zurück und können noch einige Sonnenstrahlen im Liegestuhl genießen. Um 18:00 Uhr werden wir jedoch von einem heftigen Sturm und Schneeregen überrascht. Vom Fenster aus betrachtet, im warmen Stübchen, sieht das ganz grandios aus.
Aber was ist mit morgen? Die Sorge um das Wetter beschäftigt uns den ganzen Abend. Wir können es nicht ändern, also lassen wir es auf uns zukommen.
Tag 7 Fitz Roy, Laguna de los Tres
Auf geht's! Der Tag beginnt sonnig und mild, keine Spur mehr von dunklen Wolken. Der Rucksack ist gepackt, und um 8:00 Uhr sind wir unterwegs. Der Weg ist für Hin- und Rückweg mit etwa 22 Kilometern und insgesamt 900 Höhenmetern angegeben – für uns schon eine große Sache.
Am Anfang geht es moderat bergauf, die Luft ist frisch und klar. Unten am Flussufer sehen wir Pferde grasen. Wir laufen durch Wälder, kommen an Wiesen und Sümpfen vorbei und genießen jeden Blick auf das Fitz-Roy-Massiv.
Das Erlebnis wird allerdings etwas getrübt durch die zahlreichen Wanderer, die mit uns unterwegs sind. Ja, damit muss man hier rechnen – man ist nicht allein.
Nach etwa zehn Kilometern erreichen wir den Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Geht man weiter nach oben oder kehrt man um? Keine Frage, es geht nach oben. Ein einen Kilometer langer Wanderweg führt 400 Meter hinauf. Der Pfad besteht aus Geröll und Felsen, steigt steil an und wird mit jedem Meter nicht leichter.
Wer hier nicht körperlich fit ist, kann es wohl nur mit reiner Willenskraft schaffen – aber bitte mit Wanderschuhen.
Der Aufstieg ist – puhh – für mich wirklich keine leichte Nummer. Es geht recht steil auf einer groben Piste nach oben. Schon nach 50 Metern dachte ich: Nee, das packst du nicht. Da ist auch im Kopf so einiges los. Ja, das ist toll, das schaffst du! Nein, ich will nach Hause, habe keine Lust.
Was mir geholfen hat, war ein älterer Herr, den ich unterwegs überholte. Ich sah ihn schon eine Weile vor mir laufen. Er war in Begleitung von zwei jungen Männern, die ihm Mut zusprachen und nicht von seiner Seite wichen. Als ich direkt hinter ihnen lief und schon fast aufgeben wollte, dachte ich: „Wenn dieser ältere Mann das schafft, dann schaffst du das auch, verdammt!“
Und der Knoten platzte. An Aufgeben war jetzt nicht mehr zu denken. Leichter wurde es körperlich zwar nicht, aber mein Kopf hatte jetzt ein Ziel. Am Wegesrand saßen immer wieder Menschen, die mit falschen Schuhen und falschen Vorstellungen den Weg angetreten hatten und einfach nicht mehr konnten. Wenn mir Leute von oben entgegenkamen, fragte ich meist, wie lange es noch dauern würde, und bekam immer die gleiche Antwort: „Nicht mehr lange.“ Ha!
Und dann habe ich es geschafft! Um mich herum nur glückliche, erschöpfte Menschen. Die meisten haben sich hier hochgequält, und in ihren Gesichtern kann man Freude und Stolz erkennen.
Nach einer Stunde trete ich den Rückweg an und treffe wieder auf den älteren Herrn. Auch er hat es geschafft. Spontan gehe ich zu ihm und gratuliere ihm zu seiner Leistung. Er erzählt mir, dass er früher hier in der Gegend Bergführer war und seine Enkel, die beide an seiner Seite sind, das in der Hauptsaison ebenfalls machen. Es war ein Traum von ihm, noch einmal hier hochzukommen – und er hat es geschafft.
Wer denkt, der Rückweg sei jetzt leichter, der irrt. Die Beine sind müde und wackelig, und man kämpft sich über Steine und Schotter nach unten. Immer bemüht, nicht auszurutschen. Aber meine Wanderstiefel sind top, und an manchen heiklen Stellen rutsche ich einfach mit dem Po über die Steine. Mit Wanderstöcken ist man hier klar im Vorteil.
Hurra, unten angekommen! Nun noch zehn Kilometer zurück in den Ort – ein Klacks. Meine Gedanken kreisen um ein deftiges Essen und ein Glas Bier oder Wein. Schön, aber das muss noch warten – diese Gedanken halten mich aufrecht.
Nach neun Stunden sind wir zurück, fix und fertig! Was für ein Erlebnis – eine Wanderung, die uns psychisch und physisch ordentlich gefordert hat. Aber jeder Schritt war es wert. Am Abend gönnen wir uns ein oder zwei Biere und ein schönes, deftiges Essen. Wir haben es uns verdient.
Dann fallen wir komaartig in den Schlaf, und der Wecker holt uns morgens um 6:00 Uhr zurück