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Argentinien

2017

Mit der besten Freundin nach Argentinien, Patagonien!

Patagonien, wer kommt mit? Mein Freund winkt gleich ab. Nee - da ist es mir zu kalt. Aber meine Freundin Sabine sagt gleich begeistert JA zu Argentinien. Wir waren schon oft zusammen auf Reisen und sind ein eingespieltes Team. Dann kann es ja mit dem Planen losgehen! Da wir für dieses große Land nur drei Wochen Zeit haben, wird die Auswahl schwer. Wir wollen alles sehen, aber alles ist unmöglich in dieser kurzen Zeit. Am Ende habe ich eine Reise der besonderen Art zusammengestellt.

Die Route

Eine Reise mit der besten Freundin nach Argentinien!

 

 

Patagonien: Unendliche Weiten, eine Welt zwischen Gletschern, Seen und Bergen, besondere Wanderungen!
Iguazú: Unglaubliche Wasserfälle in zwei Ländern.
Iberá-Pantanale: Abenteuer in den Sümpfen.
Buenos Aires: Europa in Südamerika.

Übernachtungen

  • 1 Nacht in Buenos Aires im B&B
  • 3 Nächte in El Calafate im Hotel
  • 3 Nächte in El Chaltén im Apartment
  • 4 Nächte im Hotel
  • 4 Nächte in Iberá auf einer Hazienda
  • 3 Nächte in der Nähe der Mocona-Wasserfälle im Hotel
  • 3 Nächte in Buenos Aires im B&B

Transport

Flüge & Bus

  • Drei Inlandsflüge
  • Eine Busfahrt

Mietwagen

  • Sieben Tage Autofahrt

Schiffe & Boote

  • Bootstour auf dem Lago Argentino
  • Katamaranfahrt zum Upsala-Gletscher

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Tag 0-1 , Ankunft in Buenos Aires

Tag X ist gekommen. Wochenlang haben wir darauf hingefiebert, und nun geht es los. Wir sind mega aufgeregt. Der Koffer ist bis zum Rand voll: eine gute Mischung aus warmer Kleidung und Sommerkleidchen, nicht zu vergessen die derben Wanderstiefel.

Im A380 der Lufthansa starten wir am späten Abend in Frankfurt in Richtung Buenos Aires. In der Premium Economy Class lassen sich die dreizehn Stunden gut aushalten.

Tag 1 – Ankunft in Buenos Aires

Am Morgen landen wir pünktlich in Buenos Aires auf dem internationalen Flughafen Ezeiza. Um in die 32 Kilometer entfernte Innenstadt zu kommen, nehmen wir ein Taxi. Vorweg gesagt ist ein Taxi hier kein Schnäppchen, aber zu zweit durchaus machbar. Als Alternative gibt es auch einen Bus, der in die Innenstadt fährt. Alles ist gut ausgeschildert und die schwarz-gelben Taxis stehen vor der Tür. Hier gibt es ein kleines Häuschen, in dem man sein Ziel angibt. Man erhält eine Quittung mit dem Preis und wird einem Taxi zugeteilt. Bezahlt wird dann am Ende der Tour.

Für die Fahrt in den Bezirk San Telmo, die 40 Euro kostet, benötigen wir fast eine Stunde. Mit dem Gesicht kleben wir an der Scheibe des Taxis. Das, was wir sehen, erinnert stark an eine europäische Großstadt. Als das Taxi uns auslädt, stehen wir vor einem kleinen Hotel mit dem Namen San Telmo Luxus Suites. Heute heißt es wohl Soho Points San Telmo Suites. Das Stadtviertel ist eine typische Wohngegend mit älteren Häusern und schmalen Straßen. Früher war das Viertel eher ärmlich und heruntergekommen, aber jetzt mausert es sich zu einem beliebten Szeneviertel. Viele der Häuser hier sind restauriert, es gibt kleine Hotels und B&Bs, Restaurants, Cafés und Bars. In der Gegend kann man über nette kleine Märkte laufen und in kleinen Parks sitzen.

Am Abend findet man sicher einen der Plätze unter freiem Himmel, auf denen das reale Stadtleben stattfindet. Da sitzen Menschen zusammen, um zu reden, und von irgendwoher kommen Leute und tanzen Tango. Auch kommt man von San Telmo zu Fuß zum Plaza de Mayo und in das Teatro Colón.

Da wir nur eine Nacht bleiben, stellen wir nur unsere Taschen ab, duschen und machen uns auf den Weg ins nächste Café. Wir entdecken einen überdachten Markt mit einem netten Café. Da wir nach dem langen Flug dringend Bewegung brauchen, laufen wir die zwei Kilometer zum Plaza de Mayo. Leider ist es stark bewölkt, und die Fotos werden den Originalen nicht gerecht. Die Gebäude werden gewaltiger und die Straßen sind breit und offen, mit großen Plätzen. 

 

 

Am frühen Abend sitzen wir nicht weit von unserem Hotel auf einem Platz. Die umliegenden Bars haben Tische aufgestellt und wir trinken echten argentinischen Rotwein für nicht mal einen Euro das Glas. Es ist ein milder Frühlingsabend, die Sonne ist doch noch hervorgekommen und die umliegenden Bäume blühen in lila und roten Tönen. Auf dem Platz wird es langsam voller. Viele Einheimische verlassen ihre Wohnungen, um sich hier noch etwas zu unterhalten. Und dann sind da junge Künstler, die Tango tanzen. Das ist ein typisches argentinisches Klischee. Der Wein, der laue Abend, der Tango unter dem Himmel … da werfe ich die Frage über den Tisch: „Sabine, wie sieht es aus, möchtest du nicht auch tanzen?“

Meine Freundin hat nämlich einige Tangokurse absolviert, und irgendwie kribbelt es ihr in den Beinen. Es findet sich bestimmt ein Kavalier hier. Sie lacht nur und lehnt dankend ab. 

 

Tag 2 Patagonien wie kommen, El Calafate

Am sehr frühen Morgen, eigentlich noch nachts, sitzen wir schon in einem Taxi und fahren zum nahe gelegenen Domestic Airport. Drei Dinge sind um diese Uhrzeit prima: Wir befinden uns noch in der Jetlag-Phase, wir fliegen nach Patagonien und wir träumen – wir sind wirklich hier.

Der Flug dauert 3:40 Stunden, und unterwegs sieht man das große Nichts, nichts als die Weite der Steppe, manchmal durchzogen von türkisfarbenen Flüssen. 

Am kleinen Flughafen von El Calafate angekommen, sind wir nur noch 4.159 Kilometer von der Antarktis entfernt – ein Katzensprung. Problemlos lassen wir uns mit dem Sammelbus bis zum Hotel bringen und erhalten ein nettes Zimmer. Ein Auto braucht man hier nicht unbedingt. Zum einen sind Mietwagen hier sehr teuer, zum anderen kommt man mit dem Bus und mit Tourenanbietern bestens zurecht.

Wir wohnen im zauberhaften Hotel Kau Yatún, auf dessen Wiesen sich die Pferde tummeln und manchmal die Schäfchen vorbeiziehen. Sehr ländlich, aber fußläufig zum kleinen Ort El Calafate.

Das Wetter ist wie erwartet frisch und etwas windig, aber von „brrrr“ sind wir hier weit entfernt. Nachdem wir uns im Zimmer für drei Nächte eingerichtet haben, laufen wir in den Ort. Ein nettes Zentrum, hier bekommt man alles, was man braucht – erstmal einen Kaffee.

Anschließend finden wir ein Reisebüro, um unsere Wunschtouren zu buchen und die Busfahrt nach El Chaltén zu organisieren. Eine halbe Stunde später sind wir zwar um einige Euro leichter, aber glücklich, dass alles geklappt hat. Ich habe mir damals nur die Preise in Pesos notiert, daher kann ich nicht mehr genau sagen, was wir für die einzelnen Touren bezahlt haben.

Morgen geht es zum Perito-Moreno-Gletscher, der im Nationalpark Los Glaciares liegt und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Der Gletscher ist ein Hauptgrund, warum Touristen nach El Calafate kommen. Man kann ihn gut und aus der Nähe vom Land aus sehen oder auch eine Bootstour auf dem Lago Argentino bis in die Nähe seiner Gletscherzunge machen.

Tag 3 Perito Moreno Gletcher

Am nächsten Morgen stehen wir pünktlich und warm angezogen vor der Tür des Hotels, und schon werden wir vom Pick-up-Bus abgeholt. Es geht zum Busbahnhof und von hier aus fahren Tourenbusse in den Nationalpark zum Gletscher.

Auf der 80 Kilometer langen Fahrstrecke zieht die Landschaft am Fenster vorbei, immer das gleiche Bild: karge Steppe und am Horizont weiße Berge. Langsam wird man schläfrig. Dann sind wir da, auf einem großen Parkplatz mit vielen Menschen. Wir zahlen die 500 Pesos Eintritt und schon geht es los.

Über angelegte Pfade läuft man am Lago Argentino entlang und dann, nach der nächsten Kurve, hat man die volle Sicht auf diesen grandiosen Gletscher. Uns verschlägt es die Sprache, wir sind tief beeindruckt von diesem Naturwunder. So groß und mächtig liegt dieser Gletscher vor uns, ein Eisfeld bis zum Horizont. Da fühlt man erst, wie klein man ist. Selbst die Boote wirken wie Ameisen dagegen. 

 

 
 
 

Wir können gar nicht genug bekommen von der Aussicht. Ab und zu wird die Stille unterbrochen durch ein lautes Knirschen und Knacken, das durch die Gegend hallt. Jeder bleibt stehen und blickt gespannt auf den Gletscher. Es ist ein schaurig-schönes Naturerlebnis, wenn sich dann das Eis löst und mit lautem Krachen ins Wasser fällt. Wir können unsere Blicke kaum losreißen, so begeistert sind wir.

Ja, aber Moment mal, wann fuhr noch mal der letzte Bus zurück?, frage ich mich. Hektisch kramen wir in unseren Rucksäcken nach dem Rückfahrschein. Puh, noch 45 Minuten Zeit bis zur Abfahrt. Da geht noch ein Kaffee oder soll ich mal den Mate-Tee probieren?

Hat jemand schon einmal den berühmten Mate-Tee getrunken? Meins ist es nicht.......

Am Abend fallen wir müde ins Bett. Vorher muss ich wieder meinen Rucksack durchforsten auf der Suche nach den Tickets für morgen. Denn morgen früh haben wir eine Katamaranfahrt zum Upsala-Gletscher gebucht.

 

Tag 4 Die Katamaran Fahrt zum Upsala Gletscher

In viele Kleiderschichten eingepackt, stehen wir am frühen Morgen, noch ganz müde, zur Abholung bereit. Der kleine Bus bringt uns in den 40 Kilometer entfernten Hafen, und dort besteigen wir einen schon recht vollen Katamaran. Brav setzen wir uns alle in die Bordsessel und lauschen den Sicherheitsbestimmungen. In die Rettungswesten zu steigen und ins Wasser zu springen – darauf ist hier wohl keiner besonders scharf.

Leider fehlt die Sonne. Trüb zeigt sich der Himmel in dunklen Grautönen, und es weht ein kalter Wind – das ist Patagonien. Später dürfen wir auch nach draußen, wahrlich keine Freude, eisig fegt der Wind um uns herum. Da nützen einem auch die dicken Mützen nicht wirklich. Immer wieder stoppt der Katamaran, um uns die Möglichkeit zu geben, die recht großen, treibenden Eisberge im hellblauen Wasser zu fotografieren. 

 

 

 

Am Upsala-Gletscher strömen dann alle nach draußen, das ist nun auch keine Überraschung. Es gibt ein ordentliches Gedränge, weil jeder die schönsten Fotos machen möchte. Wenn man schon den Perito-Moreno-Gletscher gesehen hat, ist es hier etwas enttäuschend, vor allem, da man nicht sehr nahe an den Gletscher herankommt.

Der Ausflug war nett, und bei Sonnenschein wäre er noch netter gewesen. Auch bei dem stolzen Preis von 95 Euro haben wir ihn nicht bereut. Die Eisberge, die wilde, weite Landschaft, der Wind, die Luft – ja, wir würden es wieder machen.

Am Nachmittag sind wir zurück und laufen noch zum Vogelschutzgebiet Nimez, aber ohne besondere Sichtungen, dafür aber mit klarer, reiner Luft und dem großen Nichts. 

 

Als am späten Nachmittag die Sonne doch noch hervorkommt, sitzen wir im Eiscafé an der Hauptstraße draußen am Tisch und genießen ein Eis und die warmen Sonnenstrahlen. Na, geht doch.

Tag 5 El Chalten

Der Tag beginnt mit einem schönen, ausgiebigen Frühstück. Unsere Taschen sind gepackt, und wir haben noch Zeit bis zu unserer Abfahrt nach El Chaltén. Der kleine Bus setzt uns am Busbahnhof ab. Von hier aus geht täglich ein Bus der Firma Las Lengas nach El Chaltén – so der Plan.

Erst einmal tut sich nichts, und eine Auskunft erhalten wir auch nicht. Also holen wir uns einen Kaffee und warten auf das, was folgen wird. Nach zwei Stunden kommt endlich Bewegung in die Sache. Ein Transporter lädt uns zum Einsteigen ein. HUUUUH – so wie in Horrorfilmen … und man fand sie nie wieder. Nein, wir waren nicht die Einzigen, die etwas irritiert in den Transporter stiegen. Irgendwo zwischen Rucksäcken und Taschen finden wir einen Platz zum Sitzen – daran hatte ich bei der Buchung nicht gedacht.

Als wir dann halbwegs bequem sitzen, hält der Bus nach 20 Minuten an. Der Fahrer entlädt wortlos unsere Sachen und bedeutet uns auszusteigen. Ach was, hier? Schön ist es nicht, mit unserem Gepäck am Straßenrand in der endlosen Prärie zu stehen – gut, dass es keine 40 Grad sind. Unser Fahrer wirft uns noch ein paar schnelle und undeutliche Sätze zu, steigt ins Auto, lässt den Motor an und ruft uns noch ein „Adiós“ aus dem Fenster zu – und weg ist er.

Alle schauen sich etwas verdutzt an, und das Ehepaar aus Buenos Aires erklärt uns dann die Situation. Ein Bus wird kommen, der uns aufnimmt und zum Ziel bringt. Okay, „gleich“ ist außerhalb Deutschlands (mit Ausnahme der DB) immer relativ, also stellen wir uns auf eine längere Wartezeit ein.

Hätte ich den Kaffee doch nicht getrunken, denke ich, und schon säuselt mir Sabine ins Ohr: „Eine Toilette wäre jetzt toll.“ Schlechtes Timing, da hier weit und breit kein Busch zu sehen ist. Doch plötzlich taucht am Horizont tatsächlich ein Bus auf – unser Bus. Einige Reisende sitzen schon drin, und wir finden noch einen schönen Platz am Fenster. Nur das Toilettenproblem ist leider nicht gelöst.

Nach etwa einer Stunde, mitten in der Pampa, erreichen wir eine Raststätte mit Restaurant und Zimmern. Gott sei Dank, endlich! Mit voller Blase wurde die Situation allmählich sehr ungemütlich.

Vor über 100 Jahren sind hier Butch Cassidy und Sundance Kid vorbeigekommen – an der Grenze zu Chile haben sie sich wohl einige Jahre versteckt. (34) (37) (35) (36)

Nach insgesamt drei Stunden erreichen wir den Busbahnhof von El Chaltén. Der Ort ist nicht sehr groß, und wir können zu Fuß zu unserer Unterkunft gehen. Unsere Airbnb-Unterkunft, das Aires del Fitz Cabañas, liegt in einem Teil des Ortes, der noch etwas an den Wilden Westen erinnert. Die recht neue Unterkunft vermietet zwei bis drei Zimmer. Sie sind sauber, gemütlich, warm und verfügen über eine Küche. 

 

Der Ort selbst wirkt zunächst recht uninteressant. Die Touristen, die hierherkommen, kommen zum Wandern – besonders wegen des berühmten Fitz-Roy-Massivs. Auch wir sind deswegen hier, um eine schöne und anspruchsvolle Wanderung zu unternehmen.

Man traut es dem Ort zunächst nicht zu, aber es gibt hier eine touristische Straße mit Hotels, B&Bs und Restaurants – das erinnert ein wenig an Tirol.

 

Eine anspruchsvolle Wanderung ist unser Stichwort – schaffen wir das? Nicht, dass wir noch nie gewandert wären – wir waren bereits in Österreich, der Schweiz und den USA wandern –, aber das hier wird etwas ganz Großes.

Also laufen wir zum Touristeninformationszentrum, wo es auch Informationen über die Wanderwege gibt. Wir treffen einen jungen Mitarbeiter und fragen ihn nach den Schwierigkeitsgraden der Touren. Natürlich wollen wir die Laguna de los Tres erwandern. Seine Ansage an uns: „Ja, klar, das müsst ihr unbedingt machen. Es ist megaschön, und den einen Kilometer hinauf zum Lago, der am anstrengendsten ist, müsst ihr ja nicht machen.“

Wir wollen das aber!

 Morgen ist erst einmal eine sogenannte Einlauftour geplant.

Tag 6 Sandero Laguna Torre

Um 7:30 Uhr starten wir bei sonnigem und kühlem Wetter. Zu Beginn steigt der Weg stetig an, ab dem Aussichtspunkt wird es leichter. Immer wieder haben wir einen schönen Blick auf das Fitz-Roy-Massiv.

Wir laufen durch Wälder und kommen an blühenden Wiesen, kleinen Wäldchen und Bächen vorbei. Der Weg ist schmal und gut ausgeschildert. Es sind recht viele Menschen unterwegs – einsam ist es hier nicht gerade.

Viel sprechen wir nicht. Wir genießen die Aussicht, und jeder hängt seinen Gedanken nach. Das ist das Schöne am Wandern – die Ruhe und einfach mal den Kopf freizubekommen. Nichts ist auf einer Wanderung schlimmer als Wandergruppen, die nur am Quatschen sind – zum Plaudern geht man ins Café.

Auf einer Blumenwiese setzen wir uns auf unsere Jacken, essen unsere Brote und lassen uns von den Sonnenstrahlen wärmen. 

Auf dem weiteren Weg ziehen Wolken auf, und der eisige Wind nimmt merklich zu. Endlich erreichen wir den See, doch die Sonne ist leider ganz verschwunden – und das Fitz-Roy-Massiv auch. Alles ist in Wolken gehüllt, selbst der See wirkt trostlos und langweilig.

Macht nichts, die Wanderung war trotzdem schön. Zurück geht es auf demselben Weg. Auf den letzten Kilometern bin ich gedanklich schon beim Abendessen oder einem Törtchen. Ein Bier wäre nett, oder besser noch ein Glas Wein.

Ach schau, die Sonne kommt wieder heraus. Nach sechs Stunden sind wir zurück und können noch einige Sonnenstrahlen im Liegestuhl genießen. Um 18:00 Uhr werden wir jedoch von einem heftigen Sturm und Schneeregen überrascht. Vom Fenster aus betrachtet, im warmen Stübchen, sieht das ganz grandios aus.

Aber was ist mit morgen? Die Sorge um das Wetter beschäftigt uns den ganzen Abend. Wir können es nicht ändern, also lassen wir es auf uns zukommen.

Tag 7 Fitz Roy, Laguna de los Tres

Auf geht's! Der Tag beginnt sonnig und mild, keine Spur mehr von dunklen Wolken. Der Rucksack ist gepackt, und um 8:00 Uhr sind wir unterwegs. Der Weg ist für Hin- und Rückweg mit etwa 22 Kilometern und insgesamt 900 Höhenmetern angegeben – für uns schon eine große Sache.

Am Anfang geht es moderat bergauf, die Luft ist frisch und klar. Unten am Flussufer sehen wir Pferde grasen. Wir laufen durch Wälder, kommen an Wiesen und Sümpfen vorbei und genießen jeden Blick auf das Fitz-Roy-Massiv. 

 

Das Erlebnis wird allerdings etwas getrübt durch die zahlreichen Wanderer, die mit uns unterwegs sind. Ja, damit muss man hier rechnen – man ist nicht allein.

Nach etwa zehn Kilometern erreichen wir den Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Geht man weiter nach oben oder kehrt man um? Keine Frage, es geht nach oben. Ein einen Kilometer langer Wanderweg führt 400 Meter hinauf. Der Pfad besteht aus Geröll und Felsen, steigt steil an und wird mit jedem Meter nicht leichter.

Wer hier nicht körperlich fit ist, kann es wohl nur mit reiner Willenskraft schaffen – aber bitte mit Wanderschuhen. 

 

Der Aufstieg ist – puhh – für mich wirklich keine leichte Nummer. Es geht recht steil auf einer groben Piste nach oben. Schon nach 50 Metern dachte ich: Nee, das packst du nicht. Da ist auch im Kopf so einiges los. Ja, das ist toll, das schaffst du! Nein, ich will nach Hause, habe keine Lust.

Was mir geholfen hat, war ein älterer Herr, den ich unterwegs überholte. Ich sah ihn schon eine Weile vor mir laufen. Er war in Begleitung von zwei jungen Männern, die ihm Mut zusprachen und nicht von seiner Seite wichen. Als ich direkt hinter ihnen lief und schon fast aufgeben wollte, dachte ich: „Wenn dieser ältere Mann das schafft, dann schaffst du das auch, verdammt!“

Und der Knoten platzte. An Aufgeben war jetzt nicht mehr zu denken. Leichter wurde es körperlich zwar nicht, aber mein Kopf hatte jetzt ein Ziel. Am Wegesrand saßen immer wieder Menschen, die mit falschen Schuhen und falschen Vorstellungen den Weg angetreten hatten und einfach nicht mehr konnten. Wenn mir Leute von oben entgegenkamen, fragte ich meist, wie lange es noch dauern würde, und bekam immer die gleiche Antwort: „Nicht mehr lange.“ Ha!

Und dann habe ich es geschafft! Um mich herum nur glückliche, erschöpfte Menschen. Die meisten haben sich hier hochgequält, und in ihren Gesichtern kann man Freude und Stolz erkennen.

Nach einer Stunde trete ich den Rückweg an und treffe wieder auf den älteren Herrn. Auch er hat es geschafft. Spontan gehe ich zu ihm und gratuliere ihm zu seiner Leistung. Er erzählt mir, dass er früher hier in der Gegend Bergführer war und seine Enkel, die beide an seiner Seite sind, das in der Hauptsaison ebenfalls machen. Es war ein Traum von ihm, noch einmal hier hochzukommen – und er hat es geschafft.

 

Wer denkt, der Rückweg sei jetzt leichter, der irrt. Die Beine sind müde und wackelig, und man kämpft sich über Steine und Schotter nach unten. Immer bemüht, nicht auszurutschen. Aber meine Wanderstiefel sind top, und an manchen heiklen Stellen rutsche ich einfach mit dem Po über die Steine. Mit Wanderstöcken ist man hier klar im Vorteil.

Hurra, unten angekommen! Nun noch zehn Kilometer zurück in den Ort – ein Klacks. Meine Gedanken kreisen um ein deftiges Essen und ein Glas Bier oder Wein. Schön, aber das muss noch warten – diese Gedanken halten mich aufrecht.

Nach neun Stunden sind wir zurück, fix und fertig! Was für ein Erlebnis – eine Wanderung, die uns psychisch und physisch ordentlich gefordert hat. Aber jeder Schritt war es wert. Am Abend gönnen wir uns ein oder zwei Biere und ein schönes, deftiges Essen. Wir haben es uns verdient.

Dann fallen wir komaartig in den Schlaf, und der Wecker holt uns morgens um 6:00 Uhr zurück

Tag 8 auf nach Puerto Iguazu

Ein endlos langer Tag steht uns bevor, an dem wir das ganze Land durchqueren. Um 7:00 Uhr werden wir vom Transportunternehmen Las Lengas abgeholt – sehr pünktlich. Es geht zum Flughafen von El Calafate, wieder drei Stunden durch die weite Landschaft.

Hier warten wir erst einmal drei Stunden, bis gegen 13:00 Uhr unser Flug nach Buenos Aires startet. Dort erwarten uns noch einmal drei Stunden Langeweile, bis der Anschlussflug nach Puerto Iguazú startet.

Das Erste, was uns bei der Landung auffällt: Es ist schwülwarm – wir sind in den Tropen. Unser Hotel, La Aldea de la Selva, liegt etwas außerhalb des Ortes. Die Bungalows sind im Dschungel versteckt und recht hübsch. Hier werden wir die nächsten vier Tage verbringen und uns die Fälle von der brasilianischen und der argentinischen Seite ansehen.

Ein Auto braucht man hier nicht unbedingt – zu Fuß erreicht man den Bus, mit dem man zum Busbahnhof gelangt. Die Bar ist noch geöffnet, und wir gönnen uns in leichter Bekleidung einen leckeren Mojito auf der Terrasse.

Tag 9 es ist Langweilig !!!

Och nö, Regen – das war aber nicht geplant. Wir wollten doch einen Pooltag einlegen und einfach mal faulenzen, und nun das. Was tun?

Wir beschließen, in den Ort Puerto Iguazú zu fahren, was mit dem Bus recht gut klappt. Wir versprechen uns viel von dem touristischen Ort: Boutiquen, Cafés und so weiter. Aber die Realität ist anders – es gibt nicht allzu viel zum Bummeln, und nette Cafés finden wir auch nicht.

Durch den Regen sind die Straßen teilweise überschwemmt, und die meisten Restaurants öffnen erst am Abend. Nach kurzer Zeit fahren wir zurück. Und was nun?

Wenn es langweilig wird, kann man sich auch mal etwas streiten – das kommt schon mal vor, wenn man jeden Tag zusammen ist. Am Nachmittag hört der Regen auf, und unser Streit ist vergessen. Ich weiß auch nicht mehr, warum er überhaupt entstanden ist.

Wir beschließen, einen kleinen Spaziergang in der Umgebung zu machen, entdecken aber nichts Aufregendes.

Tag 10 ein Tag in Brasilien

Hurra, kein Regen! Heute fahren wir auf die brasilianische Seite zu den Iguazú-Fällen. Der Bus bringt uns zum Busbahnhof, und von hier aus geht es mit dem Bus der Firma Rio Uruguay weiter nach Brasilien. Die Fahrt kostet hin und zurück 4 Euro, und es sind nur ein paar Kilometer.

Dann ist da aber noch der Grenzübergang: Hier steigen wir alle aus, um uns die Ausreise in den Pass stempeln zu lassen. Anschließend wieder alle in den Bus, 500 Meter weiter erneut aussteigen, um die Einreise nach Brasilien abstempeln zu lassen. Da wir nicht die Einzigen sind, dauert es fast eine Stunde, bis alle wieder im Bus sitzen und die Fahrt weitergehen kann.

Am Eingang werden wir abgesetzt. Wir erkundigen uns noch nach den Rückfahrzeiten, und dann geht's in den Park. Der Eintritt kostet 22 US-Dollar, und zu den Fällen kann man entweder laufen oder mit einem Bus fahren. Leider ist es noch immer bewölkt, aber dafür warm und trocken. Wir sind mega gespannt.

Um es kurz zu erwähnen: Regenkleidung ist hier wirklich eine super Idee. Schon lange bevor man die Fälle sieht, hört man das Tosen der gewaltigen Wassermassen. Dann gibt der Wald den Blick frei auf ein grandioses Naturschauspiel – die Iguazú-Wasserfälle.

Nur von der brasilianischen Seite aus kann man die Fälle in ihrer vollen Länge erfassen. Sie sind zwar nicht die höchsten Wasserfälle der Welt, aber wohl die beeindruckendsten. Mit 20 großen und über 200 kleineren Fällen sind sie eine einzigartige Naturschönheit. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus – ist das schön!

Auf gepflegten Wegen geht es an den Fällen entlang – mal ganz nah und dann wieder etwas weiter entfernt. Gut, dass wir unsere Regenponchos dabeihaben, denn wer den Fällen ganz nahe kommt, ist auch der Gischt ganz nahe. 

Wir sind hin und weg – das war ein wunderbarer Auftakt bei den Iguazú-Wasserfällen, und wir sind schon gespannt auf morgen. Zum Abschluss gönnen wir uns noch einen Kaffee im Luxushotel Belmond. Das Hotel liegt als einziges auf dem Gelände des Parks, und man kann von dort aus zu Fuß zu den Fällen laufen. Die Zimmer sind zwar nicht günstig, aber der Kaffee schon: Gerade einmal 2,50 Dollar kostet ein Cappuccino.

Tag 11 Iguazu in Argentinien

Die Sonne strahlt, und wir sind voller Vorfreude auf den heutigen Tag. Da wir schon ungeduldig sind und keine Lust auf Busfahren haben, gönnen wir uns ein Taxi.

An der Kasse erhält man eine Wegkarte, auf der die verschiedenen Aussichtspunkte eingezeichnet sind. Durch den großen Park kann man mit einer Bimmelbahn fahren. Mensch, das ist hier wie in Disney World – gleich läuft Minnie über die Straße. Statt Minnie laufen hier jedoch massenhaft Nasenbären durch die Gegend, und weil sie gut angefüttert werden, haben sie keinerlei Scheu mehr vor den Menschen.

Wir verzichten auf die Bimmelbahn und laufen die Strecke zu Fuß ab. Es ist ganz großes Kino in diesem Park – ein Traum wird für uns beide wahr. 

 

 

Die Wege schlängeln sich durch den grünen Dschungel, und immer wieder eröffnet sich ein neuer spektakulärer Ausblick auf einen der Wasserfälle. Der Himmel ist blau mit kleinen weißen Wölkchen, die Luft ist feucht und erfüllt vom Surren der verschiedensten Insekten. Vögel und bunte Schmetterlinge kreisen über und um unsere Köpfe. Das ist besser als Disney World – und auch billiger, denn hier ist alles echt.

Auf der Karte entdecken wir die Garganta del Diablo, den Teufelsschlund. Da wollen wir hin. Drei Kilometer sind es zu Fuß – immer noch besser, als anzustehen und in die volle Bimmelbahn zu steigen. Der Weg führt an zahlreichen Wasserfällen vorbei, verfolgt von ziemlich aufdringlichen Nasenbären, die Futter von uns haben wollen. Wir haben aber nichts dabeI. 

 

Über einen reißenden Fluss führt eine lange Brücke. Dann gelangt man auf eine kleine Insel, und von dort ist es nicht mehr weit. Schon von Weitem donnert es gewaltig, und man sieht die Gischt in alle Richtungen spritzen.

Und dann blicken wir in den Teufelsschlund – wow, halb Argentinien scheint hier zu sein. Um auf die Plattform zu gelangen, muss man sich erst einmal anstellen. Dann stehen wir vor dem Wasserfall, an dem gewaltige Wassermassen rund 70 Meter in die Tiefe stürzen. Der Druck der Gischt peitscht uns um die Ohren, es ist ohrenbetäubend laut, und ich traue mich kaum, die Kamera zu zücken. Später sieht man auf den Fotos ohnehin fast nur Wassernebel.

Eine lustige Männertruppe macht Gruppenfotos, und hinterher sind alle klatschnass – vermutlich sogar bis auf den Schlüpfer.

Zurück geht es dann doch mit der Bimmelbahn zum Ausgang. Leider haben wir keine Bootsfahrt mehr unternehmen können, denn alles war bereits ausgebucht. Wie schade!

Im Anschluss haben wir einen Termin bei Avis am Flughafen. Unser Mietwagen ist ab heute gebucht. Ein Auto in Argentinien zu mieten, ist nicht gerade billig, aber für die nächste Etappe brauchen wir eines. Wer möchte, kann natürlich auch mit Bussen durch das Land reisen, aber das ist eher nicht unser Ding.

Wir bekommen einen Renault Logan. Äh, was ist das denn? Er sieht aus wie ein Polo aus den 80er-Jahren – also nicht gerade das neueste Modell. Aber er fährt, und das reicht ja auch. Für 600 Euro pro Woche ist er allerdings wahrlich kein Schnäppchen.

Am späten Nachmittag bleibt noch Zeit für einen Sprung in den Pool. Heute war wirklich ein großartiger Tag.

Tag 12 Naturparadies Esteros del Iberia

Als die Sonne am Horizont aufstieg, verlassen wir die Gegend der Wasserfälle und machen uns auf den Weg in das 470 Kilometer entfernte Feuchtgebiet Iberá. Die einzigartige Unterkunft, eine noch mit Rindern betriebene Hacienda, habe ich nach langem Suchen bei National Geographic gefunden.

Estero del Iberá ist ein 13.000 Quadratkilometer großes Feuchtgebiet in der Provinz Corrientes. Es beherbergt unzählige Tierarten, und ich möchte Capybaras sehen, also Wasserschweine. Nicht schlecht wäre auch eine Anakonda, so von Weitem.

Die lange Fahrt wird immer wieder von Polizeikontrollen unterbrochen und stellt eine kleine Abwechslung auf der Route dar. Meistens wollten sie nur wissen, woher wir kommen und wohin es geht. Einige waren sehr freundlich und plauderten mit uns über Fußball: „Ah, campeón del mundo de fútbol, sí, sí.“ Ja, das Endspiel – wer erinnert sich nicht? Jetzt mal ganz bescheiden schauen.

Von der Ruta 12 biegen wir auf die kleine Ruta 118 in Richtung des kleinen Ortes Loreto ab. Nicht lange danach entdecken wir auf der linken Straßenseite ein kleines Schild mit der Aufschrift San Juan Poriahú. Wir öffnen ein kleines Gatter und fahren eher rumpelig auf einem Feldweg in Richtung Hacienda. Auf dem Weg sehen wir Rinder und die ersten Wasserschweine. Oh, wie süß sind die denn. 

Nach zwei weiteren Toren erscheint die Estancia, und wir haben es geschafft. 

Hier wird noch Rinderzucht betrieben, mit waschechten Gauchos und großen Rinderherden, die durch die Pampa streifen.

Kaum sind wir ausgestiegen, eilt schon eine füllige Frau mit einer Schürze auf uns zu, um uns zu begrüßen. Sie spricht nur Spanisch, und wir verstehen so viel, dass der Gastgeber im Moment nicht da ist, sie uns aber schon mal das Zimmer zeigt. Und ach ja, das Mittagessen ist dann auch gleich fertig.

Das Gästehaus war ganz früher einmal eine Kirche und anschließend eine Unterkunft für Angestellte und nun eine Unterkunft für Gäste. Es gibt zwei große Gästezimmer mit einem Bad, und in der Mitte des Hauses befinden sich der Essbereich und ein gemütliches Wohnzimmer.

Wir sind die einzigen Gäste, und unser Zimmer ist recht groß, mit zwei Betten, die eher an ein Lazarett als an eine Pension denken lassen. Nun ja, irgendwie wirkt alles noch sehr ursprünglich und alt. Ist es jetzt noch Vintage oder schon schmuddelig und alt? Zumindest ist es kurios.

Sabine kam auf die Idee: „Ach, ich räume meine Sachen in den Schrank.“ Was sie wirklich immer gerne tut, aber diesmal keine gute Idee war. Schwups, die Tür des Schrankes ist offen, und schon kamen unzählige fliegende Insekten heraus, die sich mit großer Freude über ihre wiedergewonnene Freiheit in unserem gesamten Zimmer verteilten. Bah, das ist nun weniger schön. Schnell die Tür wieder zu, damit nicht noch mehr die Freiheit finden.

Bevor wir noch andere Türen öffnen konnten, erklang eine kleine Glocke und läutete das Mittagessen ein. Das war recht simpel, aber soweit in Ordnung.

Als wir beim Kaffee waren, tauchte der Besitzer auf, ein Kavalier der alten Schule, der sich als Carlos vorstellte. Bei einem Glas Rotwein, mittags um 15:00 Uhr, hieß er uns willkommen und erzählte uns in gutem Englisch vieles über seine Ranch und unseren Tagesablauf für die nächsten Tage.

Um 16:00 Uhr, den Rotwein noch im Kopf, ging es dann mit einem Jeep zur ersten Ausfahrt los. Fast drei Stunden fuhr er mit uns durch die Pampa, und sogar noch eine kleine Bootstour bei Sonnenuntergang wurde uns geboten. 

 

Zurück im Zimmer stellten wir fest, dass alle Insekten nicht mehr flogen, sondern tot auf dem Boden lagen. Auch schön. Wir stellten außerdem fest, dass es nur kaltes Wasser zum Duschen gibt. Was soll's, wir haben ja am Abend fast noch 30 Grad.

Das Abendessen war dann etwas anstrengend. Hier merkten wir, dass der Besitzer immer alle Mahlzeiten mit uns einnahm. Was ja eigentlich toll und aufmerksam ist, für uns aber auch sehr anstrengend war, weil er immer redete und das Gespräch suchte. Das kann schon auf Deutsch anstrengend sein, aber alles auf Englisch war doch etwas zu viel für uns.

Als er beim vierten Glas Wein war und wir in Gedanken schon nicht mehr bei ihm waren, schreckte uns ein Satz auf. WHAAAT, was hat er gerade gesagt? Ob wir noch mit ihm im Pool schwimmen wollen. Haha, ja unbedingt wollen wir das. Wir hätten uns totlachen können. Carlos, du alter Schwerenöter…

Ganz freundlich, aber bestimmt lehnten wir das Angebot ab. Dieses Thema war dann ein für alle Mal vom Tisch, im Keim erstickt, sagt man wohl.

Als wir später in unseren Krankenbetten lagen – so fühlten wir uns jedenfalls –, lachten wir noch eine ganze Weile über das tolle Angebot.

Tag 14- 15 Abenteuer in den Sümpfen

Carlos fuhr mit uns zum Piranha-Angeln – ja, richtig gelesen, PIRANHAS. Wobei Carlos noch einen drauflegte: Nicht das Angeln ist das Highlight, nein, das wäre ja langweilig. Die gefangenen Piranhas dienten als Leckerbissen für die Kaimane.

Gut, wer schon einmal geangelt hat, ist da erst mal klar im Vorteil, die Betonung liegt auf erst mal. Also, nach einer Vorführung kam die Frage auf.....wer will es probieren. Na gut, dann will ich mal. Nach Anleitung, die Angel auswerfen, oh schön das klappt schon mal, Carols ist stolz. Schwups da beißt schon ein Piranha an, jetzt langsam die Angel einholen. Ich werde abgelengt, aus dem Augenwinkel sehe ich den Kaiman näher kommen und Sabine in den Jeep einsteigen. Ayayay, nun hängt der Fisch mit seinen Messerscharfen Zähnen, schon auf Augenhöhe, Carols nickt zustimmend, mir bricht der Schweiß aus. Der Kaiman bewegt sich, nicht gut. Panik breitet sich in mir aus,Flucht steht wohl in meiner Haltung, denn kurz bevor ich die Angel weit von mir werfen möchte ist Carlos neben mir und nimmt mir die Angel ab. Ruhig entfernt er den Piranha und wirft hin dem Kaiman zu, der ihn in einem verschlingt. Puhh das hätte ich auch sein können:)

Das Abenteuer geht weiter: Am Nachmittag folgte gleich ein Spaziergang durch die Pampa. Nicht auf Wegen oder Pfaden oder irgendetwas, das nach einem Weg aussieht. Nein, frei nach Schnauze ging es durch das Gelände. Wir hatten ja unsere Wanderschuhe an, Carlos lief nur mit Espadrilles aus Stoff durch die Marsch.

Sabine stellte auch gleich die Frage, die ich nur erwartet hatte: GIBT ES HIER SCHLANGEN?

Ach bitte, können wir das lassen? Was möchte man da wohl hören, in Argentinien, in der Pampa? Ein „Nein, heute nicht“ wäre eine hübsche Antwort, aber eher unglaubwürdig. Darum akzeptierte unser Gehirn die Antwort: „Ja klar, viele, aber um diese Jahreszeit eher nicht.“

Meine Gedanken waren noch bei „viele“, und da ging die Frage leider noch weiter: „Ja, und wo sind sie denn jetzt um diese Zeit?“

Och, in den Büschen und unter Felsen und Steinen.

Ach was, gut, dass es hier so wenige Büsche und Steine gibt. Wenn man vorher nicht darüber nachgedacht hat, nun schon. Wir grinsten uns ängstlich an, und das Kopfkino konnte beginnen.

Als wir dann den Jeep wieder erreichten, waren wir heilfroh. 

 

Das hört sich jetzt sicher komisch an, aber eine Anakonda würden wir schon gerne sehen. Von weiter weg oder so, das wäre klasse. Leider ist es um diese Jahreszeit zu warm. Meist sitzen sie tief in den Sümpfen und im Wasser. Der argentinische Winter wäre da besser. Och, schade.

Aber er ist der vollendete Gastgeber. An einem Tag gehen wir auf Anakondasuche, mit dem Boot durch die Sümpfe. Da hatten wir auch gleich wieder etwas zu lachen. Carlos brachte einen seiner Angestellten mit, und zu viert ging es über den See. Einige Male ging es nicht weiter, weil uns die kleinen Pflanzeninseln den Weg versperrten. Dann zogen sich beide bis auf die Unterhosen aus (wir dachten dabei an Hundewelpen), gingen ins Wasser, zogen und hievten sich durch die Inseln bis ins freie Wasser. Uns war das schon etwas unangenehm, aber auch irgendwie schräg. Eine Anakonda sahen wir bei all der Mühe nicht.

Die Tage vergingen schnell, kein Wunder, waren sie doch ausgefüllt mit so vielen Erlebnissen. Vormittags immer eine lange Tour mit Abenteuern durch die Pampa. Mittags erholsame Stunden am Pool, der an diesen heißen Tagen ein Segen war. Zum Nachmittag hin saßen wir bei Kaffee und Kuchen auf der hinteren Veranda im Schatten und schauten den Gauchos beim Pferdeeinfangen zu. War das nur eine Show für uns? Uns wurde gezeigt, wie die Rinder ihre Brandzeichen bekamen und anschließend wieder auf den endlosen Pampaweiden verschwanden. Jetzt sind wir schon fast selbst kleine Gauchos.:)

Am Nachmittag gab es immer noch eine Tour für uns, die bis zum Sonnenuntergang ging.  

 

 

 

 

Wir haben hier sehr viel gesehen, die Ausflüge waren exklusiv nur für uns, und Carlos hat das wirklich toll gemacht. Heute weiß ich nicht, ob er noch die Estancia hat und ob er noch Gäste aufnimmt. Ich würde auf jeden Fall wieder dorthin fahren. Auch wenn die Zimmer und das Essen besser hätten sein können, war es absolut authentisch und spannend. Jeder Tag ein Abenteuer. Und wo das jetzt mit dem Pool geklärt ist ...

Zeit, um „Adiós“ und „muchas gracias por todo“ zu sagen.

Tag 16 Rio Uruguay


Die 480 Kilometer lange Strecke zum Rio Uruguay dauert fast den ganzen Tag. Wir fahren durch sehr viele kleine Ortschaften. Immer gibt es was zu schauen, langeweile kommt nicht auf. In jedem Ort gibt es schon niedliche Weihnachtsdekoration, vielleicht....stehen diese auch das ganze Jahr über. Der Verkehr unterwegs ist sehr lebhaft. Damit meine ich nicht die Menge an Autos, sondern den Fahrstil.

Am späten Nachmittag erreichen wir dann die La Misión Mocona Lodge, die direkt am Rio Uruguay liegt, dem Grenzfluss zwischen Argentinien und Brasilien. Statt uns gleich in den Pool zu stürzen, müssen wir noch um unseren Bungalow kämpfen. Als man uns den Bungalow zeigte, waren wir recht enttäuscht. Das ist nicht das, was wir bei Booking.com gebucht haben. Die Bilder und die Beschreibung passten einfach nicht zusammen. Unserer sollte groß und hell sein, neu eingerichtet und eine Terrasse haben. Dieser hier war zwar direkt am Fluss, aber klein und dunkel.

Also auf zur Diskussion an die Rezeption. Nach vielen „Wenns“ und „Abers“ konnten wir schließlich in den schicken Bungalow ziehen. Da hat die Lodge glatt falsche Informationen bei Booking.com eingestellt. Denn die Holzhütten gab es damals auf der Booking-Seite noch nicht zu buchen, seit wir dort waren, aber schon. Wir sind sehr glücklich mit unserem Zimmer – ein kleiner Palast. Nun doch noch schnell in den schönen Pool und dann ein Glas Wein am Fluss zum Sonnenuntergang. 

 

Das Abendessen ist überraschend gut. Obwohl kaum Gäste da sind, gibt man sich große Mühe. Wir hatten den Verdacht, dass das Essen im nächsten Dorf bestellt wurde, aber sei's drum – es war ausgezeichnet. Und wie gut haben wir geschlafen, mal ganz ohne Insekten in der Nacht.

Tag 17 Mocona Falls

Nach einem guten Frühstück verbrachten wir den Vormittag bei 34 Grad am Pool – einfach herrlich.

Um 13:00 Uhr fuhren wir zu den Wasserfällen, die etwa 30 Autominuten entfernt liegen. Nur von der brasilianischen Seite kann man die drei Kilometer langen Fälle in ihrer vollen Länge sehen. Von hier aus fährt man mit dem Boot ganz nah an die Fälle heran.

Das war einfach irre toll. Zusammen mit vier anderen Leuten bestiegen wir ein kleines Boot. Die Rettungsweste ist Pflicht, und wasserdichte Säcke natürlich auch. Hui, dann ging der wilde Ritt über die Stromschnellen los. In rasender Geschwindigkeit ging es an den Wasserfällen vorbei, und immer wieder versuchte ich, während dieser turbulenten Fahrt Fotos zu schießen. Leider sind die meisten Bilder verwackelt – sie bleiben nun als Erinnerung an ein kleines Abenteuer. 

Im Anschluss starteten wir noch zu einem kleinen Spaziergang im nahe gelegenen Nationalpark. Die Wege sind recht schlecht ausgeschildert, also heißt es: gut aufpassen und nicht verlaufen. Der Dschungel ist dicht, und aus ihm dringen allerlei fremdartige Geräusche hervor.  Irgendwie unheimlich. Als dann auch noch auf den Wegen knöcheltief Laub herumliegt, sind wir schon wieder einmal gedanklich bei Schlangen. „Laufe nie durch Laub“, hat man mir einmal in Australien geraten. Das habe ich mir gemerkt und sehr schnell– wir treten den Rückweg an.

 

Tag 18 ein fauler Tag am Pool

Heute gibt es nichts zu berichten, denn heute waren wir einfach nur faul am Pool. Die Liege, das Buch, der Pool und ein Cocktail – das war unser Tagesprogramm.

Am Abend sitzen wir auf unserer Terrasse und lassen unseren Urlaub noch einmal Revue passieren. Was haben wir alles gesehen und erlebt? Den Trubel in Buenos Aires, schneebedeckte Berge, Gletscher, Eisberge, weite Einsamkeit, stramme Wanderungen, Wasserfälle, Dschungel, die Pampa und die Tiere – ach, war das schön.

Tag 19 Buenos Aires

Der Urlaub nähert sich dem Ende – oh, wir sind so traurig, wir könnten immer weiterfahren. Aber bevor wir wieder in den Winterblues in Deutschland verfallen, geht es noch für drei Nächte nach Buenos Aires.

Wir starten recht früh zum Flughafen Puerto Iguazú, denn es sind immerhin 300 Kilometer bis dorthin, und wir haben inzwischen schon unsere Erfahrungen mit den Straßen gemacht. Ja, und dann brauchen wir für 300 Kilometer tatsächlich 5,5 Stunden. Was soll ich sagen … eben keine Autobahn.

Alles klappt einwandfrei, und um 17:30 Uhr landen wir auf dem City Airport AEP in Buenos Aires. Von dort geht es mit dem Taxi in den angesagten Stadtteil Palermo, einmal quer durch die Stadt. In der kleinen Pension Sizzi Haz haben wir ein nettes kleines Zimmer im Dachgeschoss. Die gesamte Umgebung ist geprägt von Cafés, Restaurants und Hotels – hier ist wirklich viel los.

Dann lassen wir uns natürlich gleich etwas zu essen suchen, am besten endlich einmal ein argentinisches Steak. Das ist hier zum Glück nicht schwer zu finden: Das Essen ist überall sehr gut und preisgünstig. Im La Hombriga finden wir schließlich genau das, wonach wir gesucht haben. Ich bin zwar eigentlich kein großer Fleischesser, aber das Steak hier ist ausgezeichnet. Dazu noch ein oder zwei Gläser Rotwein und die angenehm warme Abendluft – was will man mehr?

Die Nachtruhe ist allerdings etwas eingeschränkt, denn unser Zimmer liegt leider zur Straße hinaus, und dort bleibt es lange sehr lebhaft. 

 

Tag 20

Etwas müde und nicht mehr an Straßenlärm gewöhnt, quälten wir uns am Morgen aus dem Bett. Nach einem starken Kaffee und einem leckeren Frühstück sieht die Welt schon wieder viel freundlicher aus. Der Tag kann beginnen – die Stadt wartet auf uns.

Mit der Subte (U-Bahn) geht es ins Zentrum. Eine SUBE-Karte erhält man meist an einem Kiosk; draußen steht dann „SUBE vende“. Es handelt sich um eine aufladbare Fahrkarte. Wir hatten eine Karte mit einem Guthaben von 50 Pesos und konnten damit zusammen vier Fahrten machen.

Im Zentrum lassen wir uns zu Fuß treiben, mal mit Stadtplan und mal ohne. Die Häuser erinnern teilweise an den Jugendstil des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts – wirklich interessante Gebäude. Die Atmosphäre in der Innenstadt ist angenehm und entspannt. Mich erinnert Buenos Aires an eine Stadt, die auf den ersten Blick eher nach Europa als nach Südamerika passt.

Es gibt viel zu sehen, und leider fehlt uns die Zeit, um alles zu erkunden. Bei unserer Entdeckungstour haben wir bewusst auf einen Hop-on-Hop-off-Bus verzichtet und stattdessen alles zu Fuß erkundet. Dabei ist uns vielleicht das große Ganze entgangen, dafür haben wir viele kleine, schöne Entdeckungen gemacht.

Da war zum Beispiel ein charmantes Café in einer kleinen Seitenstraße mit leckeren Törtchen und Sesseln aus Plüsch. Auf einem Innenhof gab es eine kleine Tangovorführung von Schulkindern. In einem Park unter schattigen Bäumen wurden von jungen Leuten Gedichte vorgelesen. Alles besondere Momente, die mein Herz für Buenos Aires öffneten.

Nach acht Stunden Flanieren und Beobachten kehrten wir in den Stadtteil Palermo zurück und waren sogar noch fit genug, um auch dort ein wenig zu bummeln. 

 
 
 
 
 

Tag 21 Besuch eines Friedhofs

Buenos Aires hat einen sehr interessanten und schönen Friedhof, den wir heute erkunden wollen.

Mit der Subte geht es in den Stadtteil Recoleta, der nicht weit von unserer Unterkunft entfernt liegt.

Von der U-Bahn-Station aus laufen wir noch ein kurzes Stück durch eine moderne, elegante Wohngegend, bevor wir den Friedhof erreichen. Hier kann man sich in der Stille verlieren. Zwischen eindrucksvollen Mausoleen und prächtigen Skulpturen scheint die Zeit keine Rolle zu spielen. Im Gegensatz zu manchen imposanten Grabstätten ist das Grab von Eva Perón eher schlicht gehalten. 

 

 

 
 

Nach dieser Ruhe und dem In-sich-Gehen ist die Zeit gekommen, die neue Shopping-Mall zu erkunden. Diese hatten wir bereits auf dem Weg hierher entdeckt. Leider erweist sie sich als Enttäuschung – die Preise sind viel zu hoch.

Auf dem Rückweg besuchen wir noch den Botanischen Garten. Zwischen blühenden Bäumen und Sträuchern sitzen wir lange auf einer Bank und beobachten die vorbeigehenden Menschen.

Schade, dass wir nicht mehr Zeit für Buenos Aires haben, denn es gibt noch so viel zu sehen. Man könnte eine Tango-Show besuchen oder einen Abend in der Oper verbringen. Auch das Hafengebiet hätten wir gerne noch erkundet, ebenso wie einen Ausflug mit der Fähre nach Montevideo.

Aber das alles heben wir uns für den nächsten Besuch auf. 😊

Tag 22 Der Abschied

Alles hat einmal ein Ende – und leider auch unser Urlaub. Wie schnell die Zeit doch vergeht!

Der A380 der Lufthansa bringt uns zurück ins kalte Deutschland, wo der Winter gerade erst richtig beginnt. Ich meine den Winter in Berlin: Schmuddelwetter und graue Tage. Ach ja, und arbeiten müssen wir auch wieder – wie sehr wir uns darauf freuen. 😉

Adiós, Argentina!

Es war ein unvergesslicher Urlaub, und es bleibt die Hoffnung, irgendwann zurückzukehren und noch mehr von diesem schönen Land zu entdecken.

Eckpunkte

Dauer:  22 Tage

Etappen:

  • Patagonien: Unendliche Weiten zwischen Gletscher, Seen und Bergen
  • Iguazu: Unglaubliche Wasserfälle in zwei Ländern
  • Iberes Pandanale: Abenteuer in den Sümpfen
  • Buenos Aires: Europa in Südamerika.

 

Übernachtungen

  • 1 Nacht in Buenos Aires im B&B
  • 3 Nächte in El Calafate Hotel
  • 3 Nächte El Chalten Apartment
  • 4 Nächte Hotel
  • 4 Nächte Iberes auf einer Hazienda
  • 3 Tage nähe Monoccao Wasserfälle im Hotel
  • 3 Nächte Buenos Aires im B&B

 

Zu Luft, zu Land...

  • 3 Inlandsflüge
  • 1 Busfahrt
  • 1 Mietwagen
  • 7 Tage Autofahrt

... und zu Wasser:

  • Bootstour auf dem Lago Argentino
  • Katamaran Fahrt zum Upsala Gletscher

Tag X ist gekommen. Wochenlang haben wir darauf hin gefiebert, und nun geht es los. Wir sind mega aufgeregt. Der Koffer ist bis zum Rand voll: Eine gute Mischung aus warmer Kleidung und Sommerkleidchen, nicht zu vergessen die derben Wanderstiefel.

Im A380 der Lufthansa starten wir am späten Abend in Frankfurt in Richtung Buenos Aires. In der Premium Economy Class lassen sich die dreizehn Stunden gut aushalten.

Tag 1 - Ankunft in Buenos Aire

Am Morgen landen wir pünktlich in Buenos Aires auf dem Internationalen Flughafen Ezeiza. Um in die 32 Kilometer entfernte Innenstadt zu kommen, nehmen wir ein Taxi. Vorweg gesagt ist ein Taxi hier kein Schnäppchen, aber zu zweit durchaus machbar. Als Alternative gibt es auch einen Bus, der in die Innenstadt fährt. Alles ist gut ausgeschildert und die schwarzgelben Taxis stehen vor der Tür. Hier gibt es ein kleines Häuschen, in dem man sein Ziel angibt. Man erhält eine Quittung mit dem Preis und wird einem Taxi zugeteilt. Bezahlt wird dann am Ende der Tour.

Für die Fahrt in den Bezirk San Telmo, die 40 Euro kostet, benötigen wir fast eine Stunde. Mit dem Gesicht kleben wir an der Scheibe des Taxis. Das, was wir sehen, erinnert stark an eine europäische Großstadt. Als das Taxi uns auslädt, stehen wir vor einem kleinen Hotel mit dem Namen San Telmo Luxus Suites. Heute heißt es wohl Soho Points San Telmo Suites. Das Stadtviertel ist eine typische Wohngegend mit älteren Häusern und schmalen Straßen. Früher war das Viertel eher ärmlich und heruntergekommen, aber jetzt mausert es sich zu einem beliebten Szene-Viertel. Viele der Häuser hier sind restauriert, es gibt kleine Hotels und B&Bs, Restaurants, Cafés und Bars. In der Gegend kann man über nette kleine Märkte laufen und in kleinen Parks sitzen.      (1)

Am Abend findet man sicher einen der Plätze unter freiem Himmel, auf denen das reale Stadtleben stattfindet. Da sitzen Menschen zusammen, um zu reden, und von irgendwoher kommen Leute und tanzen Tango. Auch kommt man von San Telmo zu Fuß zum Plaza de Mayo und in das Teatro Colón.

Da wir nur eine Nacht bleiben, stellen wir nur unsere Taschen ab, duschen und machen uns auf den Weg ins nächste Café. Wir entdecken einen überdachten Markt mit einem netten Café. Da wir nach dem langen Flug dringend Bewegung brauchen, laufen wir die zwei Kilometer zum Plaza de Mayo. Leider ist es stark bewölkt, und die Fotos werden den Originalen nicht gerecht. Die Gebäude werden gewaltiger und die Straßen sind breit und offen mit großen Plätzen. (2) (3) (4)

Am frühen Abend sitzen wir nicht weit von unserem Hotel auf einem Platz. Die umliegenden Bars haben Tische aufgestellt und wir trinken echten argentinischen Rotwein für nicht mal einen Euro das Glas. Es ist ein milder Frühlingsabend, die Sonne ist doch noch hervorgekommen und die umliegenden Bäume blühen in lila und roten Tönen. Auf dem Platz wird es langsam voller. Viele Einheimische verlassen ihre Wohnung, um sich hier noch etwas zu unterhalten. Und dann sind da junge Künstler, die Tango tanzen. Das ist ein typisches argentinisches Klischee. Der Wein, der laue Abend, der Tango unter dem Himmel… da werfe ich die Frage über den Tisch: "Sabine, wie sieht es aus, möchtest du nicht auch tanzen?" Meine Freundin hat nämlich einige Tangokurse absolviert, und irgendwie kribbelt es ihr in den Beinen. Es findet sich bestimmt ein Kavalier hier. Sie lacht nur und lehnt dankend ab. (6) (7)